Materialhefte zur Karst- und Höhlenkunde (MKH) 8
S. 1-48, 4 Tab., 1 Taf., Dezember 1989 , Heidenheim
Fledermausschutz in der Region Ostalb
von : Manfred SCHÄFFLER
INHALT :
1.: Geschichtlicher Überblick..............................
2.: Die Höhleninteressengemeinschaft Ostalb (InGO) e.V. ...
3.: Die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-
Württemberg / Region Ostalb............................
4. : Entwicklung der Fledermausbestände..................
4. 1.: Großes Mausohr (Myotis myotis)......................
4. 2.: Wasserfledermaus (Myotis daubentoni)................
4. 3.: Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus).........
4. 4.: Langohren (Plecotus spec.)..........................
4. 5.: Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus).........
4. 6.: Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)...............
4. 7.: Fransenfledermaus (Myotis nattereri)................
4. 8.: Bartfledermäuse (Myotis mystacinus / brandti).......
4. 9.: Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini).............
4.10.: Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri).............
4.11.: Zweifarbfledermaus (Vespertilio discolor)...........
4.12.: Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)......
4.13.: Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)...........
5. : Ursachen des Rückganges.............................
5.1.: Dezimierung der Beutetiere..........................
5.2.: Schwermetall-Anreicherung...........................
5.3.: Insektizide.........................................
5.4.: Störungen in den Quartieren.........................
5.5.: Aberglaube..........................................
5.6.: Tollwut.............................................
5.7.: Biotop-Vernichtung..................................
6.: Schutzmaßnahmen........................................
7.: Zusammenfassung........................................
8.: Literatur..............................................
1.: Geschichtlicher Überblick
Fledermausschutz hat Tradition. Zumindest was die gesetzlichen
Grundlagen angeht. Das erste Gesetz, welches die als "nützlich"
erkannten Insektenfresser unter Schutz stellte, stammt aus dem
Jahre 1936 (01). Die Anregungen der Naturforscher, die
einheimischen Fledermausarten unter gesetzlichen Schutz zu
stellen, sind noch bedeutend älter. So schrieb JOHANN P.A.
LEISLER im Jahre 1813 an den Forstfachmann VON WILDUNGEN (02) :
"Ich kann diese Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen,
ohne ihnen diese ungebührlich verachteten, ja oft ver-
folgten Thiere bestens zu empfehlen, da sie, wie ich
versichern kann, im eigentlichen Sinne Conservateurs
der Wälder sind. Denn sie nähren sich hauptsächlich
von solchen Nachtschmetterlingen, deren Larven die
vorzüglichsten Verheerungen in unseren Wäldern anzu-
richten pflegen, und da wir außer der Nachtschwalbe
keine nächtlichen Thiere haben, welche die Fledermäu-
se in dieser nützlichen Jagd unterstützen, so erhellet
hieraus unwidersprechlich, daß unsere schönen Wälder
bald entlaubt dastehen würden, wenn meine Conserva-
teurs zu sorgen aufhörten."
Diese Anregungen verhallten indes ungehört von Behörden und
Industrie des 19. wie auch des frühen 20. Jahrhunderts. Als 1975
das Baden-Württembergische Naturschutzgesetz (03) erlassen
wurde, waren die einheimischen Fledermausarten schon teilweise
ausgestorben. Erste schwere Bestandseinbrüche wurden in den 60er
Jahren gemeldet, und zwar europaweit. In den folgenden 20 Jahren
bis etwa 1983 war ein Rückgang auf rund 10 % der ursprünglich
vorhandenen Stückzahlen zu verzeichnen, wobei allein im Gebiet
von Baden-Württemberg 4 Arten ausstarben (02). Es ist vielleicht
nicht ganz richtig, in diesem Zusammenhang von "Aussterben" zu
sprechen. Die Ursachen des Rückganges sind, wie verschiedene
Autoren betonen, fast ausschließlich auf menschliche
Einflußnahme zurückzuführen (02, 05, 06, 07,). Es wäre also
richtiger, hier das Wort "Ausrotten" zu verwenden. Zwar hat das
direkte Töten von Fledermäusen sicher nicht zu einer derartigen
Abnahme geführt. Doch Landschaftsverbrauch, Insektizideinsatz in
Landwirtschaft und Bauindustrie, moderne Gebäudeversiegelung und
nicht zuletzt die Industrialisierung ehemals dörflicher und
kleinstädtischer Strukturen unter Zurückdrängung einer
naturnahen Landwirtschaft, dies sind die Faktoren, mit denen
unseren Fledermäusen die letzte Abrechnung gemacht wurde. Das
derzeitige Bestandsminimum ist das Maximum dessen, was eine
industrialisierte Landschaft mehr schlecht, als recht ernähren
kann. In jedem Biotop leben immer nur soviel Tiere, wie das
Biotop auch ernährt. Einige Fledermausarten werden deshalb in
den kommenden Jahren weiter zurückgehen, andere haben noch
reelle Chancen für ein Überleben im Jahre 2000. Die
Entscheidung, welche Fledermausart welches Schicksal erleiden
wird, fällt jetzt.
2.: Die Höhleninteressengemeinschaft Ostalb (InGO) e.V.
Die Anfänge der Höhleninteressengemeinschaft Ostalb e.V., kurz
"InGO" genannt, gehen bis in das Jahr 1971 zurück. Damals
bildete sich in Oberkochen unter Gymnasialprofessor Dietrich
BANTEL eine Schülergruppe, die sich in ihrer Freizeit mit der
Höhlenforschung befasste (08). Im Laufe der Jahre änderten sich
Mitgliederzusammensetzung und Horizont. Aus der Schülergruppe
wurde ein Forscherteam, welches die speläologischen
Spezialdisziplinen Geologie, Chemie, Archäologie und Biologie
personell abdeckt. Seit 1987 ist die Interessengemeinschaft
eingetragener, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Heidenheim (09).
Die ältesten Fledermausbeobachtungen einzelner InGO-Mitglieder
reichen bis ins Jahr 1962 zurück, wo in der 7226/31 Brunnenhöhle
bei Oberkochen eine nicht näher bestimmte Fledermaus gesehen
wurde. Systematische Beobachtungen werden seit 1980
durchgeführt. InGO-Mitglieder betreuen in der Region Ostalb
jedes Jahr rund 60 Karsthöhlen und Bergwerksstollen und
kontrollieren dabei Fledermausbestand und Unversehrtheit des
Sinterschmuckes bzw. der Höhlen- und Stollenverschlüsse. Dazu
kommen über 30 Fledermauskolonien und Sommerquartiere, deren
Bestand gezählt und deren Quartier vor Störungen oder
unsachgemäß ausgeführten Renovierungen geschützt werden muß.
Außerdem werden mögliche Jagdgebiete für Fledermäuse mit
sogenannten Bat-Detectoren ermittelt und ihre
Unterschutzstellung in die Wege geleitet. Hierzu ist die
Zusammenarbeit mit Behörden, aber auch Öffentlichkeitsarbeit
erforderlich, welche die InGO unter anderem durch die Herausgabe
der Materialhefte zur Karst- und Höhlenkunde betreibt. Die
Kontakte zur aktuellen Fledermausforschung sind durch Teilnahme
an internationalen Kongressen und durch die Mitarbeit bei der
Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg gegeben,
welche von der Universität Tübingen aus geleitet wird.
3.: Die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg/
Region Ostalb
Der Gedanke des aktiven Fledermausschutzes durch gezielte
Maßnahmen stammt aus der Höhlenforschung. HELMUT FRANK, der
führende Kopf der schwäbischen Speläologen und Gründungsmitglied
des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V., war
ein international anerkannter Fledermauskundler. Heutige
Fledermaus-Tore gehen auf seine Entwürfe aus den 50er-Jahren
zurück (10). Schon zu Beginn der 60er-Jahre, als der Rückgang
der Fledermäuse noch keineswegs offensichtlich war, warnte er
vor dem Raubbau an Winterquartieren und Jagdgebieten seiner
Schützlinge (11). Seiner Initiative ist zum Teil auch die
Existenz der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz
Baden-Württemberg zu verdanken. Den Anstoß zur Gründung der
Arbeitsgemeinschaft gab 1980 der damalige Regionalbeauftragte
für Höhlenschutz, RALPH MÜLLER, der an dieser Stelle selbst zu
Wort kommen soll (11):
"...Um die verschiedenen Gruppen zusammenzubringen und
ihren Arbeitseifer möglichst wirksam werden zu las-
sen - am besten auf der Grundlage der Arbeiten, die
auf der Schwäbischen Alb geleistet wurden - kam es
1980 durch ein Schreiben des "Regionalbeauftragten
für Höhlenschutz" an die Fledermausschützer zur Grün-
dung der AKTION FLEDERMAUSSCHUTZ BADEN-WÜRTTEMBERG
in Tübingen..."
Schon bei der Gründung der "Aktion", die später zur
"Arbeitsgemeinschaft" wurde, war klar, daß unverzüglich eine
wissenschaftliche Bestandsaufnahme der letzten einheimischen
Fledermausvorkommen benötigt wurde, um wenigstens einen
Überblick über den Gefährdungsgrad der Tiere zu bekommen. Im
Laufe der nächsten 6 Jahre wurden deshalb von allen
Regional-Gruppen der Arbeitsgemeinschaft umfangreiche
Bestandsaufnahmen durchgeführt. Im Jahre 1987 konnte dann das
Ergebnis vorgelegt werden, die bundesweit erste flächendeckende
Kartierung der Fledermausvorkommen eines Bundeslandes,
"Fledermäuse in Baden-Württemberg" (02).
Zweck dieser Veröffentlichung ist es, den Naturschutzbehörden
eine fachliche Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, wenn es
zum Beispiel um die Ausweisung von Naturschutzgebieten, aber
auch um Entscheidungen über größere Bauvorhaben geht. Die
Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft können hier beratend
hinzugezogen werden.
Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft betreut die
Höhleninteressengemeinschaft Ostalb (InGO) e.V. die Region
Ostalb. Die Region umfaßt die Kreise Heidenheim und Ostalbkreis,
sowie Teile der Kreise Schwäbisch Hall und Schwäbisch Gmünd
(07). Das Arbeitsgebiet der InGO ist in Abb.1 wiedergegeben.
Alle Informationen über Fledermausvorkommen aus diesem Gebiet
werden zentral erfaßt, überarbeitet und an die Universität
Tübingen weitergeleitet. Die genauen Standorte der - oft in
Privatbesitz befindlichen - Fledermausquartiere werden dabei
nicht weitergegeben. Sie sind nur dem Verfasser genau bekannt
und werden aus Datenschutzgründen und zur Vermeidung von
Störungen der Tiere durch Touristen und Fotografen nur im
Notfall veröffentlicht.
In den nördlichen Teilen des Beobachtungsgebietes werden einige
Quartiere und Forstreviere durch die Arbeitsgruppe
Fledermausschutz in der Region Franken betreut. Die
Beobachtungen dieser Gruppe, soweit sie die Region Ostalb
betreffen, wurden dem Verfasser freundlicherweise zur Verfügung
gestellt. Hierfür sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Zu Dank
vepflichtet ist der Verfasser auch den Herren Hubert MERZ, Bernd
KREIDLER, Wolfgang SCHMID und Manfred BAUMEISTER, sowie den
Mitgliedern der Höhlen-InGO und der verschiedenen Ortsgruppen
von DBV, BUND und SAV, ohne deren Feldarbeit dieser Beitrag
nicht zustande gekommen wäre.
Die Bestimmung einiger toter Fledermäuse wurde freundlicherweise
von Herrn Fritz DIETERLEN (Museum Rosenstein, Stuttgart) und
Herrn Heinz WEIGOLD (Tübingen) vorgenommen. Herrn Jürgen GEBHARD
(Museum Basel) ist die Auswertung einer alten Fotografie zur
Bestimmung eines Pfleglings zu verdanken.
4.: Entwicklung der Fledermausbestände in der Region Ostalb
Die ersten regelmäßigen Fledermauskontrollen der Höhlen-InGO
e.V. fielen in eine Zeit, in der die Bestände das absolute
Minimum erreicht hatten. Um 1980 waren in den Höhlen und Stollen
nur selten größere Gruppen von Fledermäusen zu beobachten.
Meistens mußte man froh sein, wenn man ein einsames Mausohr
(Myotis myotis) an der Decke hängen sah. In den meisten
Winterquartieren ist es leider noch immer so. Doch in den
letzten 8 Jahren hat die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz
verstärkt die Anbringung von Fledermaustoren vor den
Winterschlafplätzen vorangetrieben. Diese Tore bewirkten eine
Abnahme der winterlichen Störungen und hatten gleich nach zwei,
drei Jahren deutliche Bestandszunahmen zur Folge.
Verdeutlicht sei dies an zwei der bestbelegten Winterquartiere
der Ostalb, die damit auch die Ergebnisse der Zentral- und
Westalb bestätigen, wo NAGEL et.al.(1988) nach
Höhlenverschlüssen Bestandsverdreifachungen in wenigen
Jahren erhielten (12).
Es handelt sich einmal um das Quartier 7226/3, dessen Name hier
nicht veröffentlicht wird, um das Quartier nicht unnötigen
Störungen durch Neugierige auszusetzen. In der Abb.2 ist
deutlich im Winter 83/84 ein erstes Ansteigen des Bestandes zu
erkennen, der in den folgenden Wintern um etwa das Doppelte
zunimmt. Diese Zunahme läßt sich auf den Einbau eines
Fledermausgitters im Sommer des Jahres 1983 zurückführen.
Das zweite Beispiel zeigt, daß trotz einiger Erfolge durch
Verschlüsse noch keine Euphorie aufkommen sollte. Bei
Unterkochen befindet sich der stillgelegte Tunnel der ehemaligen
Härtsfeldbahn, einer Eisenbahnlinie, welche von Aalen bis nach
Dillingen/Donau ging. Nach Aufgabe der Eisenbahnlinie wurden die
Gleisanlagen abgebaut und der Tunnel verschlossen. Da bald
darauf Fledermäuse einzogen, wurden beide Öffnungen des Tunnels
vermauert. Nur im Firstbereich wurde jeweils ein kleines
Schlupfloch gelassen. Seit 1977 wurden die Fledermäuse von
Förster GÖNNER und dem DBV Aalen regelmäßig beobachtet. Man
konnte hier noch den Rückgang verfolgen, den die
Fledermausbestände in ganz Europa nahmen. Nach 1982 wurde der
Stollen nicht mehr kontrolliert, um die Tiere nicht zu stören.
Trotzdem mußten immer wieder Einbruchsversuche an der
verbliebenen Kontrolltür festgestellt werden. Im Winter 1984/85
konnte ein Ortstermin mit der Höhlen-InGO nicht stattfinden,
weil das Schloß der Türe durch heftige Schläge mit einem großen
Stein zerstört worden war. Die Tür hatte der Einbrecher nicht
öffnen können. Daraufhin lies Förster GÖNNER die Tür entfernen
und setzte in etwa 5 m Höhe eine kleine Stahltür ein, während
das Einflugloch dieser Tunnelseite verschlossen wurde, um
Luftzug zu vermeiden. Auch hier finden alljährlich
Einbruchsversuche statt, die aber keine Beschädigungen mehr
hervorrufen. Der Fledermausbestand hat sich, man erkennt es
deutlich auf Abb.3, mittlerweile erholt, ohne allerdings seinen
Höchststand vom Winter 1977/78 zu erreichen. In diesem Quartier
können - im Gegensatz zu den klüftigen Karsthöhlen - die
Fledermäuse an den glatten Wänden gut beobachtet werden. So ist
eine vollständige Erfassung und exakte Artbestimmung möglich.
Aus diesen Gründen wurde von der Höhlen-InGO nun schon mehrfach
angeregt, den Stollen als Naturdenkmal unter Schutz zu stellen.
Dennoch wurde der Antrag auf Unterschutzstellung vom
Regierungspräsidium Stuttgart vorläufig abgelehnt. Gegen die
Unterschutzstellung sprechen Pläne der Kommune, den Stollen als
Fahrradweg auszubauen. Ein Konflikt Naturschutz contra
Freizeitgestaltung zeichnet sich ab. Bei solchen Konflikten hat
die Natur leider schon viel zu oft verloren.
Es ist an den oben angeführten Beispielen deutlich geworden, daß
die Fledermausbestände der Ostalb in den letzten Jahren leicht
angestiegen sind. Dieser Trend ist auch bei einigen
Sommerkolonien festzustellen. Dennoch ist immer noch kein Grund
zu übertriebenen Hoffnungen gegeben. Die bessere Belegung der
Winterquartiere spiegelt nur teilweise einen Bestandsanstieg
wieder. Zum größten Teil dürfte es sich lediglich um das
Bevorzugen von Quartieren handeln, in denen keine Störungen mehr
erfolgen (12). Nach wie vor deutet auch in der Region Ostalb
alles darauf hin, daß die Fledermäuse die am meisten gefährdete
Tierordnung sind und bleiben.
Im Bearbeitungsgebiet der Höhlen-InGO konnten bisher 14
Fledermausarten aus 8 Gattungen und 2 Familien nachgewiesen
werden. Sie sind in Tabelle 1 genannt. Davon kann man lediglich
drei Arten als verbreitet bezeichnen. Es sind dies :
Myotis myotis Großes Mausohr
Myotis daubentoni Wasserfledermaus
Pipistrellus pipistrellus Zwergfledermaus
Von diesen drei Arten konnten in den vergangenen Jahren
Populationsstärken von über 500 Tieren ermittelt werden, die
regelmäßig
Tab. 1.: In der Region Ostalb vorkommende Fledermausarten.
Nach Ermittelungen der Höhleninteressengemeinschaft
Ostalb e.V. (InGO). Ausgestorbene Arten (38) sind in
Klammern gesetzt.
--------------------------------------------------------
Familie : Vespertilionidae : Myotis myotis
" mystacinus
" daubentoni
" nattereri
" bechsteini
Pipistrellus pipistrellus
Plecotus auritus
" austriacus
Nyctalus noctula
" leisleri
Eptesicus serotinus
Vespertilio murinus
(Barbastella barbastellus)
Familie : Rhinolophidae : (Rhinolophus hipposideros)
--------------------------------------------------------
in den Quartieren anzutreffen sind. Alle anderen Arten werden
nur sehr selten beobachtet. Fortpflanzungsnachweise existieren
außer für die drei oben genannten Arten noch für :
Plecotus auritus Braunes Langohr
Eptesicus serotinus Breitflügelfledermaus
Einschränkend muß aber hier gesagt werden, daß die einzige
26-köpfige Wochenstube der Breitflügelfledermaus nach einer
rücksichtslos durchgeführten Renovierung im Jahre 1987
vertrieben wurde.
Eine Übersicht über die bekannten Fledermausquartiere gibt
Tabelle 2.
4.1.: Großes Mausohr (Myotis myotis)
Von dieser größten einheimischen Fledermausart sind in der
Region Ostalb derzeit 8 Sommerkolonien bekannt, von denen 6 im
Jahre 1988 kontrolliert werden konnten. Dabei wurden insgesamt
rund 1430 Individuen gezählt (für zwei dieser Kolonien liegen
nur Schätzungen vor). Das Große Mausohr ist damit die häufigste
Fledermausart der Region. Es sind weitere 7 Einzelquartiere
(vermutlich Männchenquartiere) bekannt. Alle Sommerkolonien
existieren schon mehrere Jahre, wobei älteste Angaben etwa bis
ins Jahr 1930 zurückreichen. Oftmals deuten die Schätzungen der
betreuenden Personen darauf hin, daß in früheren Jahren die
Kolonien bis zu dreimal mehr Fledermäuse aufwiesen.
Tab. 2.: Übersicht über die bekannten Fledermaus-Sommerquartie-
re der Region Ostalb
-------------------------------------------------------
Art Anzahl Anzahl Individuen
Kolonien Einzel-
quart.
-------------------------------------------------------
Myotis myotis 8 7 ca. 1430
Myotis daubentoni 9 ^) - ca. 570
Pipistrellus pipistrellus 9 1 ca. 540
Plecotus auritus 5 - ca. 50
Eptesicus serotinus 1 ") - ca. 25
------ ---- -----
SUMME 36 8 ca. 2615
-------------------------------------------------------
^) Bei Myotis daubentoni wird die Zahl der Forstreviere
angegeben, in denen Wasserfledermäuse in Nistkästen
beobachtet wurden.
") Die Kolonie ist aus ihrem angestammten Quartier ver-
trieben worden. Es liegen nur zwei Totfunde vor. So-
mit ist es möglich, daß die Tiere in einem neuen
Versteck überlebt haben.
-------------------------------------------------------
Eine dieser Sommerkolonien, das Quartier 71271, konnte im Jahre
1988 intensiver beobachtet werden. Es wurden genaue
Ausflugszählungen durchgeführt. Das Ergebnis ist in Abb.4
wiedergegeben. Nach der Interpretation des Verfassers zeigt die
Grafik in den Monaten Mai und Juni die Gesamtzahl erwachsener
Weibchen dieser Kolonie. Ende Juli und Anfang August kann
zunächst ein Anstieg der Ausflüge beobachtet werden, der auf die
zunehmend flügge werdenden Jungtiere hinweisen dürfte. Gegen
Ende August ziehen die Erwachsenen aus der Kolonie fort und auch
die Jungen suchen sich teilweise schon Zwischenquartiere, so daß
sich die Wochenstube in dieser Zeit auflöst. Genauere
Beobachtungen in den nächsten Jahren werden zeigen, ob eine
solche Interpretation korrekt ist. Immerhin ist es erfreulich,
daß diese Kolonie in den Jahren 1985 und 1986 eine Renovierung
ihres Dachstuhls dank vorbildlicher Rücksichtnahme durch Bauherr
und Bauarbeiter verlustlos überstanden hat.
Auffällig ist, daß bei der großen Zahl der im Sommer gezählten
Mausohren in 47 Winterquartieren nur etwa 7,7 % davon, also ca.
110 Tiere beobachtet wurden. Ähnliche Diskrepanzen zwischen
Winter- und Sommerquartier schildern KULZER, BASTIAN und FIEDLER
(1987), welche eine "Wiederfundrate" von 9,5 % für ganz
Baden-Württemberg angeben (02), und HORACEK (1981), der von 1966
bis 1975 regelmäßig 5 - 7 % der Sommerpopulationen in den
Winterquar tieren wiederfand (13). HORACEK äußert hierbei die Vermutung,
daß es für eine große Zahl der Mausohren Winterquartiere gibt,
die für Menschen unzugänglich und somit unbekannt sind. Seine
Untersuchungen erstrecken sich dabei auf die Karstgebiete
Mittel-Böhmens, eine Landschaft, die mit der Schwäbischen Alb
durchaus vergleichbar ist. Eine Beobachtung aus dem Quartier
226-106 weist darauf hin, daß die Verhältnisse in der Region
Ostalb ähnlich liegen. Bei einer Ausflugszählung am 16.9.1987
wurden 107 Fledermäuse beobachtet. Unmittelbar vor dem Ausflug
wurde die Höhle befahren. Dabei konnten nur 4 Fledermäuse, davon
2 Große Mausohren (Myotis myotis), beobachtet werden. Nach dem
Flugbild dürfte der größte Teil der 107 Tiere ebenfalls
Mausohren gewesen sein. Dies zeigt, daß es in der Höhle
vermutlich Gänge und Hallen gibt, die für Menschen nicht
zugänglich sind und die deshalb für die Fledermäuse sichere
Quartiere darstellen. Andererseits sind solche unbekannten
Quartiere aber auch stärker gefährdet. Da sie nicht als
Naturdenkmale geschützt werden können, besteht bei
Straßenbauprojekten und Steinbrucharbeiten ständig die Gefahr
der Zerstörung. So wurden zum Beispiel beim Bau der Autobahn A7
nach Kenntnis der Höhlen-InGO mindestens 8 Karsthöhlen
aufgesprengt. Davon konnten 5 durch die Höhlenforscher
untersucht, aber nur eine als Winterquartier erhalten werden.
Vom Großen Mausohr hatte die Höhlen-InGO in den vergangenen
Jahren drei Pflegefälle. Eine dieser Fledermäuse war, als sie in
Pflege kam, schon stark geschwächt und starb zwei Tage später.
Sie hatte schon einige Zeit zuvor einen offenen Flügelbruch
erlitten, der sich entzündet hatte. Daraufhin biß sie sich den
unbrauchbaren Flügel teilweise selbst ab. Da sie jedoch nicht
mehr jagen konnte, war sie zum Verhungern verurteilt und nahm,
als sie in Pflege kam, schon keine Nahrung mehr zu sich. Das
zweite Tier war ein Säugling, etwa drei Wochen alt, der eben die
Augen öffnete. Er entstammte einer Großkolonie und war
offensichtlich vom sieben Meter hohen Firstbalken gestürzt. Der
Kothaufen der eigenen Kolonie hatte den Fall soweit gebremst,
daß das Kleine unverletzt blieb. In diesem Alter können die
Mausohren ihre Körpertemperatur noch nicht selbständig regeln.
Der Säugling hätte erfrieren müssen. Er wurde deshalb mit
einiger Mühe wieder in den First gebracht, wo er die Wärme der
Kolonie geniesen und von seiner Mutter gesäugt werden konnte.
Der dritte Pflegefall war ein Männchen, das ebenfalls den Flügel
gebrochen hatte. Allerdings war der Bruch schon verheilt, als
die Höhlen-InGO das Tier bekam. Dabei war der Unterarm nicht
gerade, sondern rechtwinklig zusammengewachsen. Die
Hungerperiode hatte das Mausohr, wenn auch extrem unterernährt,
überstanden. Es konnte immerhin noch fressen. Wenig später
entzündete sich der schief verheilte Bruch und auch hier
amputierte sich die Fledermaus die absterbenden Flügelteile
selber. Ein richtiges Fliegen und Jagen ist nun nicht mehr
möglich. Der Pflegling befindet sich seit dem 20.7.1986 in der
Obhut der InGO und erfreut sich mittlerweile wieder bester
Gesundheit.
Die Pflege solcher verletzter Tiere ist nicht leicht und
erfordert nicht nur viel Zeit, sondern auch einigen Aufwand, da
zur Ernährung Mehlwürmer oder Fliegenmaden gekauft oder selber
gezüchtet werden müssen. Aber auch Mehlwürmer sind kein
vollwertiger Ersatz der natürlichen Insektennahrung. Deshalb
müssen Vitaminpräparate verabreicht werden. Die Haltung einer
gesunden, flugfähigen Fledermaus, die extrem hohe Ansprüche an
ein vielfältiges und weitläufiges Biotop stellt, kann niemals
artgerecht erfolgen. Deshalb ist es unverantwortlich, gesunde
Fledermäuse gefangen zu halten. Es ist gesetzlich verboten und
wird hier auf keinen Fall zur Nachahmung empfohlen ! Die Haltung
invalidierter, flugunfähiger Tiere ist problematisch genug und
kann nur eine Notlösung darstellen. Sie sollte Fachleuten
überlassen werden. Wer darum eine verletzte Fledermaus findet,
sollte sich unverzüglich mit der Höhlen-InGO oder einem anderen
Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz in Verbindung
setzen.
4.2.: Wasserfledermaus (Myotis daubentoni)
Die zweithäufigste Fledermausart der Region Ostalb ist mit
alljährlich rund 570 gezählten Exemplaren die Wasserfledermaus.
Sie ist eine typische Waldfledermaus, die ihre Wochenstuben
bevorzugt in Spechthöhlen und Nistkästen einrichtet. Man trifft
sie eher selten in Wohnhäusern. So ist bisher nur ein
Fensterladenquartier im Raum Ellwangen mit 6 Tieren bekannt.
Alle übrigen Sommerbeobachtungen in der Region stammen aus
Nistkastenkontrollen, welche meistens im Oktober durchgeführt
werden. In neun Forstrevieren wurden bisher Wasserfledermäuse in
Nistkästen nachgewiesen. Alle diese Reviere liegen im
Albvorland. Es scheint, daß die Hochlagen der Schwäbischen Alb
den Wasserfledermäusen nicht zusagen; vielleicht aufgrund des
Wassermangels der verkarsteten Alb. Die Wälder des Albvorlandes
weisen zahlreiche Seen und Stauseen auf, welche schon seit
vielen Jahrzehnten bestehen (15) und durch ihren
Insektenreichtum einen idealen Lebensraum für diese Jäger von
Mücken, Schnaken und Nachtfaltern bieten (14). An sieben dieser
Seen sind Jagdbeobachtungen mit dem Bat-Detector gelungen.
Dagegen konnten auf dem Albuch und Härtsfeld oder im Kreis
Heidenheim keine Jagdbiotope ermittelt werden. Die Meereshöhe
allein kann für die Bevorzugung des Albvorlandes nicht der
auslösende Faktor sein. KULZER, BASTIAN und FIEDLER (1987)
konnten keine Bevorzugung einer bestimmten Höhenlage feststellen
(02), SCHOBER und GRIMMBERGER (1987) geben im Sommer Höhen bis
750 m NN und im Winter bis 1400 m NN an (14), während BLAB
(1980) allgemein von 1300 m NN spricht (05). So reguliert
offensichtlich das Nahrungsangebot die Vorkommen der
Wasserfledermaus in der Region.
Gesicherte Beobachtungen von Wasserfledermäusen in den
Winterquartieren der Ostalb sind äußerst spärlich, obwohl Höhlen
und Stollen als typische Winterquartiere geschildert werden (02,
06, 14, 16), und obwohl zum Beispiel DEGN (1987) in der
dänischen Moensted-Höhle über 100 Wasserfledermäuse pro Jahr
nachgewiesen hat (17). Bisher wurden im Untersuchungsgebiet zwei
Winterbeobachtungen gemacht. Eine davon war ein Totfund in einem
Stollen im Kochertal (18). Die andere Beobachtung gelang am
13.12.87 in der Karsthöhle 7225/4 auf der Albhochfläche. Dieses
Tier war in tiefer Lethargie.
Weitere Beobachtungen mit Bat-detectoren dürften in nächster
Zeit gründlichere Kenntnisse über das Vorkommen dieser Art in
der Region Ostalb liefern. Die zwischenzeitlich vermehrt
ausgebrachten Fledermausnistkästen werden vermutlich den Bestand
stabilisieren. Da die Kastenkontrollen bisher nicht
flächendeckend durchgeführt werden konnten, ist es möglich, daß
ein großer Teil der Wasserfledermäuse noch unbekannt ist. Es ist
daher denkbar, daß künftige Beobachtungen das Artenspektrum der
Region deutlich zugunsten der Wasserfledermaus verschieben
werden.
4.3.: Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Rund 540 Zwergfledermäuse, die alljährlich in insgesamt 9
Sommerkolonien gezählt werden, weisen diese Art als die
dritthäufigste der Region Ostalb aus. Jagdbeobachtungen mit dem
Bat-detector zeigen, daß die kleinste einheimische Fledermausart
schlicht überall ihr Auskommen findet, sei es an einem See,
einem Bachufer, am Waldrand oder in der Dorfmitte im Licht einer
Straßenlaterne. Anscheinend gibt es noch genügend kleine
Nachtschmetterlinge, Mücken und Schnaken (06, 14), um den
Vorkommen eine sichere Existenz zu ermöglichen. Als einzige Art
zeigt die Zwergfledermaus in fast allen ihren Kolonien in den
letzten Jahren einen gleichmäßigen Bestandsanstieg.
Die älteste Beobachtung einer Zwergfledermaus stammt aus dem
Jahre 1973. In Ellwangen flog damals etwa im Dezember ein nicht
näher bestimmbares Tier in ein Privathaus ein. Die Fledermaus
wurde fotografiert und sodann in einen Sandsteinstollen
gebracht, wo sie ihren Winterschlaf fortsetzte und im Frühjahr
1974 aus eigener Kraft wieder ausflog. Die Artbestimmung konnte
1988 anhand der Fotografie vorgenommen werden (19). Diese
Ausnahme ist gleichzeitig der einzige in der Region bekannt
gewordene Fall, daß eine Zwergfledermaus in einem Stollen
überwinterte. Eine weitere Ausnahme stellt ein Quartier hinter
einem Fensterladen dar, welches im Jahre 1986 durch ein
Einzeltier belegt war.
Nistkastenbeobachtungen liegen aus insgesamt 5 Forstrevieren
vor. Dort wurden jedoch niemals solche Stückzahlen beobachtet,
wie sie in den übrigen Sommerkolonien üblich sind.
Wie schon bei der Wasserfledermaus liegen auch bei der
Zwergfledermaus sämtliche Sommerkolonien im Albvorland. Auf der
Albhochfläche sind bisher nur Einzelbeobachtungen in Nistkästen
erfolgt. Möglicherweise ist auch hier der limitierende Faktor
das Nahrungsangebot. Alle Kolonien befinden sich außerdem in
Wohnhäusern oder Geräteschuppen. Es handelt sich durchweg um
Spaltenquartiere zwischen Dachplatten und Holzverschalung eines
Daches oder in engen Mauerfugen. Die älteste bekannte
Wochenstube befindet sich in Pfahlheim bei Ellwangen. Sie weist
den derzeit (1988) stärksten Bestand von 132 Tieren auf.
Außerdem zeigt sie seit 1983, wo erstmals eine genaue Zählung
erfolgte, einen kontinuierlichen Anstieg der Stückzahl. Erste
Beobachtungen reichen in das Jahr 1980 zurück. Damals wurde das
Haus neu gedeckt und das Dach frisch mit Glaswolle isoliert.
Seitdem wurden die Fledermäuse alljährlich beobachtet (Abb.:5).
In der Regel erscheinen die ersten Tiere Ende April oder Anfang
Mai, um spätestens Ende Juni unmittelbar nach Erreichen der
Höchstzahl geschlossen das Quartier zu verlassen. Im September
1986 wurden, nachdem das Quartier zwei Monate verwaist war,
einzelne einfliegende Tiere beobachtet. Sie waren aber nach
kurzer Zeit wieder verschwunden. Möglicherweise handelt es sich
dabei um sogenannte Invasionen, wie sie aus der Literatur
vielfach belegt sind (14, 16). Dabei können, meistens im
September, bis zu 100 Tiere (14) gleichzeitig in ein vorher
unbesetztes Quartier einziehen und es erst kurz vor dem
Winterschlaf im Oktober wieder verlassen. Es wird vermutet, daß
die Jungtiere eines Jahrgangs auf diese Weise neue Quartiere
erkunden (16).
Ein weiteres interessantes Sommerquartier befindet sich in Wört
bei Dinkelsbühl. Im Jahre 1981 wurden dort erstmals Fledermäuse
unter der Holzverschalung des Hausgiebels beobachtet. Bis 1984
wurden alljährlich bis zu 119 Tiere gezählt. Dabei tauchten
schon im Jahre 1983 in einem Nachbarhaus erstmals einzelne
Zwergfledermäuse auf, die hier unter den Dachplatten der
Westseite des Hausdaches ihr Quartier aufschlugen. Im Jahre 1985
wurde die Fassade der Hauptkolonie neu verputzt. Um eine
störende Verschmutzung der renovierten Hauswand direkt beim
Einschlupfloch zu verhindern, wurde eine Plexiglasscheibe
angebracht, welche einen freien Ausflug erlaubte. Allerdings
verhinderte die glatte Fläche eine erfolgreiche Landung vor dem
Einschlupfloch. Nur die Geschicktesten der Fledermäuse konnten
nun noch ihr Quartier benutzen. Gleich am ersten Tag nach der
Montage der Plexiglasscheibe verließen 30 Tiere die Kolonie und
zogen in das Nachbarhaus um. Am zweiten Tag war die gesamte
Kolonie umgezogen. Allerdings wurden ab diesem Zeitpunkt nur
noch 54 Tiere gezählt. Der Bestand blieb im Jahr 1986 auf 64
Tiere beschränkt. Offensichtlich lies die Qualität der
"Ersatzwohnung" zu wünschen übrig. Im Jahre 1987 wurde die nun
überflüssige Plexiglasscheibe wieder entfernt. Das Resultat kann
beeindrucken: 123 Zwergfledermäuse konnten am 20.6.87 vom
Verfasser gezählt werden. Die Kolonie war wieder in voller
Stärke in ihr altes Quartier eingezogen.
Aus dem Beobachtungsgebiet kamen bisher vier Zwergfledermäuse in
menschliche Obhut. Der erste Fall aus dem Jahre 1973 wurde
bereits geschildert. Im zweiten Fall handelte es sich um ein
Weibchen, das einen Handgelenksbruch erlitten hatte und am
15.6.84 in der Nähe von Ellwangen gefunden wurde. Leider entfloh
es nach einigen Tage Pflege "zu Fuß", ohne bis dahin wieder
fliegen zu können. Der dritte Pflegling war ein Männchen,
welches am 18.2.85 im Foyer einer Bank in Unterkochen auf dem
Fußboden gefunden wurde. Es dürfte entweder durch einen
Kälteeinbruch oder eine Störung aus seinem Winterquartier
vertrieben worden sein. Beim Anblick des winzigen Tierchens
glaubte ein Bankangestellter, es handele sich um einen
Faschings-Scherzartikel und stieß mit dem Fuß danach. Dabei gab
die Fledermaus noch einen Schreck- und Schmerzruf von sich. Sie
wurde dem zuständigen Revierförster übergeben, der sie in den
Keller seines Wohnhauses legte. Leider konnte der Verfasser nach
einigen Tagen, als er informiert worden war, nur noch den Tod
des Tieres feststellen. Der vierte Fund war ein Weibchen, das am
10.10.87 im Stall eines Bauernhauses in Laubach gefunden wurde.
Es konnte noch am selben Abend gesund freigelassen werden.
4.4.: Langohren (Plecotus spec.)
Seit 1960 werden die Langohrfledermäuse der Gattung Plecotus in
zwei Arten geteilt (BAUER 1960, (20)). Ältere Beobachtungen
weisen nur die Art Braunes Langohr (Plecotus auritus) aus. Die
Zwillingsart Graues Langohr (Plecotus austriacus) ist nicht
leicht vom Braunen Langohr zu unterscheiden. Daher wird zumeist
nur die Gattung (Plecotus spec.) bestimmt. Erst einmal gelang
bisher in der Region Ostalb die exakte Bestimmung eines Grauen
Langohrs (Plecotus austriacus), und zwar am 17.1.1987 im
Winterquartier. Alle anderen Beobachtungen mit exakter
Artbestimmung waren Braune Langohren (Plecotus auritus).
Der älteste Beleg stammt möglicherweise aus dem Jahre 1960, wo
LÖHRL (21) über seine Beobachtungen in Höhlen des Lonetals
berichtet. Er nennt keinen genauen Ort, kein genaues Datum, und
keine genaue Zahl; es wird aber in dieser Veröffentlichung auf
die Bärenhöhle oder die Charlottenhöhle Bezug genommen. KULZER,
BASTIAN und FIEDLER (02) zitieren diese Quelle und
interpretieren die Angaben als zur Bärenhöhle gehörig. Von DOBAT
(1974) wurde dagegen aufgrund derselben Quelle die
Charlottenhöhle als Quartier angenommen (22). Es wird deshalb an
dieser Stelle das Original zitiert :
"Die Fransenfledermaus (Myotis nattereri KUHL) war
zweimal in je einem Exemplar, darunter auch 1953 in
der Charlottenhöhle zu finden. Im Februar 1960 hing
eine in der Bärenhöhle im Lonetal, wo sich noch 10
Hufeisennasen und 9 Mausohren befanden. Das Lang-
ohr (Plecotus auritus L.) ist äußerst selten und
wurde nur zweimal gefunden. Überraschend war ein
zweimaliger Fund einer Spätfliegenden Fledermaus
(Eptesicus serotinus SCHREBER) am 6.2.1957 und am
20.1.1960. Diese Art ist im Bereich der Alb offen-
bar sehr selten und dürfte normalerweise nicht in
Höhlen überwintern. Die beiden Tiere waren jeweils
sehr tief in engen Spalten."
Die Langohren müßten eigentlich die Lieblingsfledermäuse der
Kleingärtner sein. Dies zeigt ein Blick auf ihr
Nahrungsspektrum. Langohren haben hier eine sehr hilfreiche
Eigenart. Sie fangen relativ große Beutetiere, tragen sie zu
einem Fraßplatz und verzehren sie dort in Ruhe. Dabei bleiben
die Reste der Beuteinsekten - Flügeldecken, Flügel und Beine -
unter dem Fraßplatz liegen und können untersucht werden. Mehrere
Autoren haben hierüber Veröffentlichungen vorgelegt. HEINICKE
und KRAUSS (1978) stellten fest, daß fast ausschließlich
Nachtfalter der Familie Noctuidae (Eulenfalter) verzehrt werden
und zwar zumeist (55 %) Noctua pronuba (Hausmutter), weniger
häufig Apamea monoglypha (Graswurzeleule) und Autographa gamma
(Gammaeule) (23). Später veröffentlichte KRAUSS (1978)
weitergehende Analysen, wobei als vierte Hauptbeuteart Agrotis
exclamationis (Gemeine Graseule) genannt wird (24). Ähnliches
berichtet ARNOLD (1983), der ebenfalls Noctua pronuba als
Hauptbeute (47,4 %) angibt (25). Er nennt auch noch den
Tagfalter Aglais urticae (Kleiner Fuchs) als Beute, jedoch nur
mit einem Anteil von 10,3 %. Als weitere Beutetiere werden von
GEBHARD (1985) kleine Käfer, Raupen, Weberknechte und (1987)
Spinnen genannt (06,26); allerdings legt auch dieser Autor das
Hauptgewicht auf die Eulenfalter. Das Nahrungsspektrum eines
Langohr-Pfleglings des Verfassers ist in Tabelle 3
wiedergegeben. Die Langohren setzen damit eine 50 Millionen
Jahre alte Tradition fort. Damals gab es auch schon Fledermäuse,
die hauptsächlich Schmetterlinge verzehrten. Ihre Fossilien
wurden mitsamt dem Mageninhalt in der Grube Messel bei Darmstadt
gefunden (27). Von den Hauptbeutetieren der heute lebenden
Langohren wird die Hausmutter (Noctua pronuba) als Schädling im
Gemüsebau und die Graswurzeleule (Apamea monoglypha) als
Wurzelfresser beschrieben; letztere nährt sich in ihrem
Raupenstadium von Wurzeln verschiedener Gräser (28). Die
Langohren kontrollieren also völlig gratis den Bestand ihrer
Hauptbeute, des Gemüsefressers Hausmutter, den die Gemüsegärtner
mit teuren Spritzmitteln bisher anscheinend nicht ernsthaft
dezimieren konnten.
Das heißt nun aber nicht, daß die eingesetzten Insektizide
wirkungslos wären; im Gegenteil ! Möglicherweise müssen einige
Pflegefälle, welche der InGO in den letzten Jahren gebracht
wurden, auf Insektizidvergiftungen zurückgeführt werden. Die
Tiere wiesen keine äußeren Verletzungen auf, fraßen aber nur
sehr wenig und gingen nach kurzer Zeit ein. Es könnten hier
Vergiftungen durch Beutetiere vorliegen, die selbst zwar
geschädigt, aber nicht tödlich vergiftet waren. Solche Insekten
sind leichter zu fangen und werden dadurch vermehrt gefressen,
wobei sich das Gift im Körper der Fledermaus anreichert. Die so
geschwächten Fledermäuse werden dann leicht Opfer von Raubtieren
oder erleiden Flugunfälle, die zu Knochenbrüchen führen können.
Tab. 3.: Beutetiere eines Braunen Langohres (Plecotus auritus),
die der in Pflege befindlichen Fledermaus von Hand
angeboten wurden. In Klammern angegebene Arten lehnte
der Pflegling dabei ab.
-------------------------------------------------------
Gattung Art Deutsche Bezeichnung
--------------------------------------------------------
Phymatodes testaceus Familie: Bockkäfer
Musca domestica Stubenfliege
Culex pipiens Stechmücke
Forficula auricularia Gemeiner Ohrwurm
Syrphidae Familie: Schwebfliegen
--------------------------------------------------------
(Apis mellifera) Honigbiene
(Noctuidae) (Großes Expl.) Familie: Eulenfalter
(Coccinellidae) Familie: Marienkäfer
(Formicoidea) Überfam.:Ameisen
(Vespidae) Familie: Faltenwespen
--------------------------------------------------------
Gleich der erste Pflegefall endete tragisch. Im Dezember des
Jahres 1982 fand ein Oberkochener Schüler ein Langohr (Plecotus
auritus) und brachte es mit in die Schule. Vermutlich war die
Fledermaus, im Winterschlaf gestört, in das Wohnhaus ihres
Finders eingeflogen. Im Unterricht wurde das arme Tier dann
stundenweise vorgezeigt, wobei es die Pausen im KÜHLSCHRANK
verbringen mußte. Ein Mitglied der InGO erlöste es von dem
Schicksal, zwischen Vorführ-Stress und Kühlfach-Winterschlaf zu
verhungern. Nach einer Angewöhnungszeit im Hause ihres neuen
Pflegers nahm die Fledermaus Mehlwürmer als Futter an und durfte
frei im gut verschlossenen Zimmer umherlaufen und -fliegen.
Dabei war allerdings das sehr enge Lamellengitter zum
Heizungsschacht der Zentralheizung übersehen worden. Eines Tages
schlüpfte das Tier hier hinein und konnte nur noch tot geborgen
werden.
Zwei Jahre später, am 25.7.84 wurde dem Verfasser ein
flugunfähiges Langohr (Plecotus auritus) übergeben. Das
erwachsene Weibchen hatte sich einen Handgelenkstrümmerbruch
zugezogen. Bei Flucht- und Flugversuchen hatten sich die
abgebrochenen Fingerknochen nach vorne durch die Haut des
Handgelenks gebohrt. Es war klar, daß dieses Tier flugunfähig
bleiben würde. So wurde zunächst nach geeignetem Futter gesucht.
Dabei konnten verschiedene Beutetierarten ausprobiert werden,
die in Tabelle 3 wiedergegeben sind. Erstaunlich ist hierbei,
daß ein Exemplar eines Eulenfalters abgelehnt wurde. Allerdings
konnte der Schmetterling nicht näher bestimmt werden. Es wäre
möglich, daß es sich um eine übel schmeckende Art handelte. Die
Tabelle zeigt deutlich, daß wehrhafte und übel schmeckende
Insekten abgelehnt werden. In diesem speziellen Fall verzehrte
das Langohr bevorzugt die Käferart Phymatodes testaceus. Die
Käfer schlüpften gerade zu jener Zeit in Mengen aus
eingelagertem Brennholz des Verfassers und konnten so leicht
gefangen werden. Jeden Abend wurden etwa 30 Käfer verfüttert.
Nachdem diese Futterquelle allmählich zu versiegen begann, wurde
das Tier an die Universität Tübingen gebracht. Dort verheilte
schließlich die Verletzung. Die Fledermaus lebt heute noch am
Institut für Biologie in Gesellschaft anderer Langohren.
Ein weiterer Flüchtling aus einem Winterquartier wurde am
30.10.1985 im grellen Licht eines Kaufhaus-Einganges in
Heidenheim entdeckt. Das Tier wies keine äußeren Verletzungen
auf, wog aber nur 5 Gramm, wogegen es gesunde Langohren auf bis
zu 12 Gramm bringen. Dieses Weibchen war sehr schwach und starb
nach 5 Tagen. Ein ganz ähnliches Schicksal erlitt ein
Langohr-Männchen, das am 2.10.1987 ebenfalls in der Heidenheimer
Innenstadt aufgefunden wurde. Auch dieses Tier starb bald
darauf, ohne daß es sichtbare Verletzungen gehabt hätte. Ebenso
ein Weibchen, welches am 31.8.1988 in Dewangen bei Aalen
aufgefunden wurde. Es war durch einen Flügelbruch so entkräftet,
daß es keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen konnte. Ein
Versuch mit Hundemilchpulver (aufgelöst in Wasser), das sich bei
Säuglings-Aufzuchten schon bewährt hat, scheiterte vier Tage
später.
Am 22.10.1988 wurde in Essingen ein Braunes Langohr das Opfer
einer Hauskatze. Die Katze hatte der Fledermaus ein Loch in
einen Flügel gerissen und einen Teil der Fingerknochen
abgebissen. Die restlichen Fingerknochen hatten sich durch das
Flughautloch geschoben und mit der noch verhandenen Flughaut
verknotet. Dadurch war die Hand nach innen verdreht; eine
äußerst schmerzhafte Verletzung. Erst nachdem die Flughaut ganz
durchtrennt worden war, konnte sich der verletzte Flügel
entspannen und das Männchen wurde zahm und zutraulich. Es nahm
auch bereitwillig Fliegenmaden und Mehlwürmer aus der Hand des
Verfassers und schien sich zu erholen. Doch nicht ganz vier
Wochen später fraß es plötzlich immer weniger und starb am
11.11.1988, vermutlich an einer Infektion.
Das einzige Mal, daß ein Langohr gesund freigelassen werden
konnte, war am 29.7.86. Es war in Stocken bei Ellwangen in ein
Zimmer eingeflogen und wurde kurz darauf entdeckt und befreit.
Vom Braunen Langohr (Plecotus auritus) sind in der Region Ostalb
derzeit 5 Sommerquartiere bekannt. Davon sind zwei
wahrscheinlich Männchenquartiere. Sie sind in der Regel nur
durch ein oder zwei Tiere besetzt. Die drei anderen sind
richtige Wochenstuben, einmal mit 6, zweimal mit ca. 20
Einzeltieren. Wie bei Wasserfledermaus und Zwergfledermaus
liegen auch bei den Langohren alle Sommerquartiere im
Albvorland. Eine der Sommerkolonien - sie besteht aus 21
Langohren - teilt sich das Quartier mit 5 Großen Mausohren
(Myotis myotis). Es handelt sich bei dem Quartier um eine
Kirche, wo die Fledermäuse Turm- bzw. Kirchenschiff-Gebälk
bewohnen. Allerdings wurden die beiden Kolonien bisher nie
gemischt angetroffen. Zumeist sind entweder Mausohren oder
Langohren da, und wenn beide Arten gleichzeitig anwesend sind,
halten sie sich an getrennten Hangplätzen auf. GEBHARD (1985)
beschreibt solche "Doppelkolonien" von Langohren und Mausohren
im selben Gebäude als "nicht selten" (06). SCHOBER und
GRIMMBERGER (1987) geben für das Graue Langohr (Plecotus
austriacus) als "Partner" Große Mausohren (Myotis myotis) und
Kleine Hufeisennasen (Rhinolophus hipposideros) an (14).
Der Bestand der Langohren in der Region besteht im Sommer aus
rund 50 Tieren. Ebenso viele werden im Winter alljährlich in 25
Höhlen und Stollen angetroffen, die mit wenigen Ausnahmen von 1
- 2 Tieren belegt sind. Hervorstechendste Ausnahme ist dabei der
Härtsfeldbahntunnel (s.a. Abb.3), wo im Winter 88/89 elf
Langohren (Plecotus spec.) angetroffen wurden. Der Tunnel ist
damit das größte bekannte Winterquartier der Region für diese
Fledermausart. Dies unterstreicht die Schutzwürdigkeit des
Tunnels, für den - wie schon eingangs erwähnt - bisher
vergeblich ein Antrag auf Unterschutzstellung als Naturdenkmal
eingereicht wurde.
Aus vier Forstrevieren im Albvorland gibt es
Nistkastenbeobachtungen von Langohren. Es sind aber immer nur
Einzeltiere gefunden worden. Wochenstuben in Nistkästen sind in
der Region Ostalb bisher nicht beobachtet worden.
4.5.: Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
Die Breitflügelfledermaus zählte noch nie zu den häufigen Arten
unserer Region. Alte Beobachtungen sind nur von LÖHRL bekannt,
der am 6.2.1957 und am 20.1.1960 je ein Exemplar beobachtet hat.
Nach seinen Angaben in den Jahresheften für Karst- und
Höhlenkunde (1960) ist unklar, ob die Beobachtungen aus der
Bärenhöhle im Lonetal oder aus der Charlottenhöhle stammen (21).
In ganz Baden-Württemberg gibt es derzeit noch drei größere
Vorkommen (02).
Um so erfreulicher war es deshalb, als im Jahre 1987 eine
Kolonie dieser Tiere im Dachboden des Altenheimes in Kirchheim
im Ries entdeckt wurde. Leider waren die Begleitumstände dieser
Entdekkung gar nicht sehr erfreulich. Im Juni des Jahres 1987
wurde der Verfasser von einem Mitglied des Deutschen Bundes für
Vogelschutz gerufen. Bei der Betreuung eines Dohlennestes im
Kirchturm nebenan, war von den Fledermäusen berichtet worden.
Gleichzeitig wurde gesagt, daß eine Dachrenovierung unmittelbar
bevorstehe. Bei einer Begehung des Dachbodens am 13.6.87 konnten
7 Fledermäuse festgestellt werden, die in etwa 10 Meter Höhe im
Dachfirst hingen. Auf diese Entfernung wurde zunächst aufgrund
der Körpergröße die Art Großes Mausohr (Myotis myotis)
angenommen. Unmittelbar darauf wurde die Bauleitung informiert
und aufgefordert, die Arbeiten nicht vor Ende September in
Angriff zu nehmen. Dies wurde abgelehnt mit der Begründung, daß
sich dadurch die Bauarbeiten in den Winter hinein erstrecken
würden. Es seien große Teile des Gebälks zu erneuern, so daß das
Dach längere Zeit abgedeckt bleiben müßte. Man einigte sich
jedoch darauf, die Bauarbeiten nicht vor dem 13.7.87 zu beginnen
und dann auch nur die von den Fledermäusen nicht "bewohnte"
Hälfte des Daches abzudecken. Der Dachraum des aus dem 12.
Jahrhundert stammenden Gebäudes ist nämlich durch eine Mauer in
zwei Hälften geteilt. In der Mauer war eine kleine Öffnung
vorhanden, durch die man die jeweils andere Dachhälfte betreten
konnte. Diese Öffnung war mit einer Stahltüre versehen. Die
Stahltüre sollte bis in den Herbst hinein verschlossen bleiben.
Es wurde vereinbart, daß die Bauarbeiter nur von außen, vom
Gerüst aus, das Dach betreten dürften und daß der Dachteil mit
der Fledermauskolonie, durch den der eigentliche Zugang zum
Dachboden vom Treppenhaus her führte, nicht betreten werden
dürfte. Holzschutzmittel sollten erst im darauffolgenden Winter
gespritzt werden. Ein weiterer Zugang im Giebel der "bewohnten"
Dachhälfte wurde verschlossen. Ebenso wurde vom Bauherrn
zugesagt, den Treppenaufgang, der fast direkt unter der Kolonie
endete, nicht zu benutzen.
Schon Anfang Juni, am 7.7.87 wurde vom Bauherrn mitgeteilt , daß
der Internationale Bauorden mit seinen Helfern unabhängig von
den beauftragten Handwerkern und ohne Wissen der Bauleitung das
gesamte Dach aufgeräumt habe. Dabei seien die 10 zu
beobachtenden Fledermäuse "nicht nennenswert gestört worden".
Damit war die Abmachung mit der Bauleitung, nicht vor dem
13.7.87 zu beginnen, welche von den Handwerkern auch eingehalten
wurde, unterlaufen worden. In aller Eile wurde nun eine
Ausflugszählung mit etwa 15 Mitarbeitern der
Höhleninteressengemeinschaft Ostalb e.V. durchgeführt, wobei am
10.7.87 genau 26 Fledermäuse beobachtet werden konnten. Die
Aufräumarbeiten waren also anscheinend doch gut ertragen worden.
Möglicherweise waren aber zu diesem Zeitpunkt die Jungen schon
geboren, so daß die Bindung der erwachsenen Weibchen an das
Quartier so stark war, daß sie sich trotz der Störungen nicht
vertreiben ließen. Am 16.7.87 wurde dann die eine Hälfte des
Daches unter der Aufsicht eines Mitarbeiters der
Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz abgedeckt. Dabei wurde sehr
rücksichtsvoll vorgegangen.
Am 29.8.87 wurde bei einer Begehung festgestellt, daß bis auf
drei Tiere alle Fledermäuse vertrieben worden waren. Was war
geschehen? Auf Befragen teilte die Bauleitung am 31.8.87 mit,
daß die Absperrungen der Zugänge durch den Bauherrn beseitigt
worden seien. Dies wurde später vom Bauherrn auch bestätigt.
Begründung: Man lasse sich das Recht nicht nehmen, den eigenen
Dachboden zu betreten. Außerdem folgte die lapidare Mitteilung
der Bauleitung, daß zwischen 17. und 23.8.87 das
Holzschutzmittel "Basileum H.W. BV U 155, braun, W 1195"
ausgebracht worden sei. Der dabei entstandene Lärm habe die
Fledermäuse offensichtlich vertrieben. Schon am 17.8.87 war der
Höhlen-InGO ein flugunfähiges Jungtier übergeben worden, welches
offenbar bei der Flucht verloren worden war. Es hatte hilflos an
einer Außenwand des Gebäudes gehangen und starb am übernächsten
Tag. Die Bestimmung durch Herrn Dr. DIETERLEN vom Museum
Rosenstein in Stuttgart ergab die Art Eptesicus serotinus. Es
war nun gewiß., daß die Rücksichtslosigkeit von Bauherr und
Handwerkern die einzige Breitflügelfledermaus-Kolonie der Ostalb
zerstört hatte.
Es wurde erneut vereinbart, daß sämtliche Arbeiten bis zum
freiwilligen Verlassen des Daches durch die verbliebenen
Fledermäuse zu ruhen hätten. Das zuständige Landratsamt wurde
informiert und nötigenfalls um die Verfügung eines Baustops
gebeten.
Nachdem die Fledermäuse endgültig den Dachstuhl verlassen
hatten, wurden die Arbeiten fortgeführt. Der Dachboden wurde
dabei weitgehend unverändert belassen, eine Durchflugöffnung an
der Stelle des alten Schlupfloches wurde geschaffen und sogar
auf die allgemein üblichen Lüfterziegel wurde teilweise
verzichtet. Auf eines wurde jedoch nicht verzichtet: auf
Holzschutzmittel. Obwohl laut Angaben der Bauleitung
ausschließlich fledermausverträgliche Mittel auf
Permethrinbasis, wie das schon erwähnte "Basileum", verwendet
wurden, war im darauffolgenden Sommer eine dicke Dunstwolke von
Lösemitteln auf dem Dachboden feststellbar. Die Fledermäuse
waren natürlich nicht wiedergekommen. Dafür wurde im Oktober
1988 im Dachstuhl der direkt angrenzenden Klosterkirche die
mumifizierte Leiche eines Jungtieres gefunden, deren Bestimmung
im Jahre 1989 ebenfalls Breitflügelfledermaus ergab.
Wahrscheinlich ein weiteres Opfer der Renovierungsarbeiten.
Dies zeigt deutlich, daß bei Dachrenovierungen vollständig auf
chemische Holzschutzmittel verzichtet werden sollte. Selbst wenn
die Wirkstoffe zur Zeit noch als unschädlich gelten, so sind sie
doch in Lösemitteln aufgelöst, die keineswegs harmlos sein
müssen. Wird das Dach anschließend nicht gründlich gelüftet, so
halten sich die Dämpfe dieser Mittel noch sehr lange. Außerdem
zeigen neueste Beobachtungen, daß die als säugetierunschädlich
bekannten Wirkstoffe auf Permethrinbasis in manchen Fällen eine
schwere Schädingung des Nervensystems, auch beim Menschen, zur
Folge haben können (29).
Am 7.10.1987 konnte hinter einem Fensterladen in Schwäbisch
Gmünd ein Einzelquartier einer Breitflügelfledermaus beobachtet
werden. Es handelte sich hier um ein Weibchen, das
möglicherweise auf der Wanderung ins Winterquartier war.
Es gibt insgesamt zwei Fälle in den letzten Jahren, wo
Breitflügelfledermäuse in Pflege kamen und gesund freigelassen
werden konnten. Das erste dieser Tiere war ein Weibchen. Es
wurde am 6.2.85 im Heidenheimer Schloß Hellenstein gefunden und
war stark untergewichtig. Nach einer Freßkur konnte es bei
bester Gesundheit und mit Idealgewicht den Winterschlaf in einem
alten Luftschutzstollen fortsetzen. Es war dies gleichzeitig die
erste Beobachtung einer Breitflügelfledermaus in der Region.Der
zweite Pflegling war ein Männchen, das am 10.10.87 in den Stall
eines Bauernhauses in Laubach eingeflogen war. Das kerngesunde
und lebhafte Tier konnte kurz darauf wieder freigelassen werden.
Schwer verletzt wurde am 21.12.88 ein Männchen in Steinheim bei
Heidenheim gefunden. Es war zwar noch kräftig und hatte
Normalgewicht, jedoch fehlten die Lippen vollständig. Die
Ursache dieser ungewöhnlichen Verletztung ist unbekannt. Es
könnte sich um einen Sturz aus großer Höhe oder um eine
Verletzung durch einen Katzenbiß gehandelt haben. Das Fehlen der
Lippen behinderte die Fledermaus beim Fressen, da alles, was
zwischen den Zähnen zerkaut wurde, ohne den Halt durch die
Lippen aus dem Mund herausfiel. Sie hätte für den Rest ihres
Fledermauslebens flüssig ernährt werden müssen. Es ist jedoch
stets das Ziel der Fledermauspflege, die Patienten wieder
vollständig zu heilen und in Freiheit zu setzen. Aus diesem
Grund wurde das Tier bei einer ortsansässigen Veterinär-Praxis
einer Gesichtsoperation unterzogen. Es wurde versucht, die
restlichen Hautfetzen von Ober- und Unterkiefer heranzuziehen
und als Ersatzlippen am Zahnfleisch festzunähen. Die Hoffnungen
waren gering und wenige Tage nach der Operation starb der
Pflegling.
4.6.: Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
Der Große Abendsegler ist als wandernde Art bekannt. In der
Literatur finden sich als weiteste Zugstrecken 930 km (30),
beziehungsweise 1600 km (14). Abendsegler aus dem Nordosten und
Osten der DDR ziehen anscheinend über Süddeutschland hinweg zur
Überwinterung in den Alpenraum (31). In Baden-Württemberg sind
das ganze Jahr über Abendsegler anzutreffen (02), wobei noch
unklar ist, ob es sich im Sommer und Winter jeweils um dieselben
Individuen handelt. Den durch Beringung belegten Fernwanderungen
stehen offenbar auch Beobachtungen von ortstreuen Populationen
gegenüber (16). So wäre es also möglich, daß die in der Region
Ostalb angetroffenen Abendsegler auch in Baden-Württemberg
überwintern. Die Flugbeobachtungen in der Region Ostalb stammen
allerdings vorwiegend aus den Herbstmonaten, der Zeit der
Wanderungen in die Winterquartiere. Ein Fortpflanzungsnachweis
liegt für die Region noch nicht vor, so daß angenommen werden
kann, daß die Jagdgebiete hierzulande lediglich
Zwischenstationen auf dem Zug darstellen. Diese Annahme wird
erhärtet durch die Beobachtung von 5 bis 10 Abendseglern, welche
anscheinend alljährlich Anfang Oktober etwa 2 Wochen lang im
Mittelbachtal bei Hüttlingen jagen. Sie sind bis jetzt weder
vorher noch nachher dort gesehen worden. Es könnte sich dabei
aber auch um die letzte Station des Zuges handeln, also um die
letzten Jagdrunden vor dem Aufsuchen der Winterquartiere.
Hierfür spricht der interessante Fund eines Weibchens am
5.4.1987. Es war im Mehllager der Heimatsmühle, also in
unmittelbarer Nähe des Mittelbachtales, gefunden worden. Die
Fledermaus hing dort hinter Paletten versteckt an der Wand. Es
wäre denkbar, daß sie in dem kühlen, unbeheizten Kellerraum den
ganzen Winter verbracht hat. Sie konnte nach einer Woche
sattgefüttert wieder freigelassen werden. Dazu wurden die
hochgelegenen Sandäcker bei Hofen, etwa 1 km vom Fundort
entfernt, aufgesucht. Von dort konnte man den Flug des Tieres
einige Zeit verfolgen. Nach einer Orientierungsrunde flog die
Abendseglerin zielstrebig in Richtung Kochertal davon. Ebenfalls
gesund freigelassen werden konnte am 19.3.84 ein Abendsegler,
der in ein Wohnzimmer in Ellwangen eingeflogen war.
Ein weiterer Pflegefall endete leider tragisch. Das Opfer
stammte aus Steinheim bei Heidenheim. Am 29.10.85 wurde dort ein
Abendsegler-Weibchen in der Sakristei einer Kirche unter einem
Putzeimer (!) gefunden. Das Tier war stark von Zecken und Milben
befallen und wog 28 Gramm, für die Jahreszeit ein niedriges
Gewicht. Es war von zahlreichen verheilten und frischen Narben
bedeckt, deren Herkunft unbekannt war. Außerdem hatte es unter
dem linken Flügel ein etwa Markstück-großes Hautgeschwür. An
dieser Stelle waren die Haare ausgegangen und die Haut blasig
aufgequollen. Die Fledermaus kratzte sich dort häufig. Sie wurde
den ganzen Winter über gepflegt, da es zu riskant erschien, sie
in die Freiheit zu entlassen. Sie erholte sich auch nach
Verabreichen von Antibiotika und nahm an Gewicht zu, starb dann
aber plötzlich am 6.4.1986. Es wurde zunächst ein Hautkrebs
vermutet (34). Möglicherweise lag aber auch ein schwerer Fall
von Staphylokokken-Dermatitis vor. Daß Abendsegler diese
Krankheit bekommen, wird von GEBHARD (32) berichtet, der einen
seiner Pfleglinge mit dem Antibiotikum "Polymmyxin B"
erfolgreich behandelte.
Der erste Nachweis des Großen Abenseglers in der Region Ostalb
war ein Totfund am 11.4.1982 im Heidenheimer Schloß Hellenstein.
Möglicherweise war das Tier auf der Suche nach einem geeigneten
Winterquartier in ein Zimmer eingeflogen und dort eingeschlossen
worden. Weitere Totfunde wurden in Hohenstadt bei Abtsgmünd am
14.8.84, in Röttingen am 19.9.86, in Heubach am 8.2.87 und bei
der Renovierung des Altenheimes in Kirchheim/Ries am 16.7.87
gemacht. Alle diese Tiere mit Ausnahme des Röttinger Fundes
waren mumifiziert oder weitgehend skelettiert, so daß über die
Todesursache keine Aussagen gemacht werden können. Der Fund in
Röttingen war ein Weibchen, welches einen offenen Flügelbruch
aufwies, der in Brand übergegangen war. Es hatte sich,
flugunfähig und damit dem Hungertod preisgegeben, im Keller
eines Gasthauses versteckt und war, kurz bevor es gefunden
wurde, verendet.
Außer dem schon erwähnten Jagdgebiet im Mittelbachtal liegen
Jagdbeobachtungen vom Albtrauf bei Aalen und vom Orrotsee bei
Ellwangen vor. Aus dem Ellwanger Raum stammen auch zwei
Nistkastenbeobachtungen von Hubert MERZ, der im September 1987
sechs Männchen und am 10.10.87 ein Weibchen in Vogelnistkästen
der Forstreviere Ellangen/Ost und Hohenberg antraf. Der Große
Abendsegler wird von MERZ für das Gebiet des Virngrundes bei
Ellwangen als "recht häufig" beschrieben (33). Daß dennoch nur
wenige Beobachtungen vorliegen, ist zum größten Teil der
heimlichen Lebensweise dieser großen Waldfledermaus
zuzuschreiben, die Sommer und Winter in Baumhöhlen oder
Felsspalten verbringt. Nur gelegentlich findet man sie auch in
Mauerritzen oder hinter Fensterläden.
4.7.: Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
Der nach heutigem Kenntnisstand erste Beleg einer Fledermaus in
der Region Ostalb war im Jahre 1869 der Fund (oder Fang?) einer
Fransenfledermaus durch KONOLD in Bolheim bei Heidenheim. Das
Stück ist im Museum Rosenstein in Stuttgart archiviert (35).
Es mußten mehr als 80 Jahre vergehen, bevor wieder eine
Fransenfledermaus in der Region beobachtet wurde. Am 24.2.1953
traf LÖHRL ein Exemplar in der Charlottenhöhle bei Hürben an und
im Februar 1960 eines in der Bärenhöhle im Lonetal (21).
Am 4.9.1981 fand man in Oberalfingen eine fast vollständig
skelettierte Fledermausleiche (07), die freundlicherweise von
Dr. Heinz WEIGOLD (Tübingen) bestimmt wurde; als
Fransenfledermaus. Die Schädelverletzungen deuteten auf einen
Raubtierbiß als Todesursache hin.
Alle weiteren Beobachtungen von Fransenfledermäusen in der
Region sind, mit einer Ausnahme, Nistkastenbeobachtungen aus den
Jahren 1984 bis 1988. Sie stammen alle aus dem Raum Ellwangen
und zwar aus den Revieren Rosenberg, Hohenberg/Ost,
Hohenberg/West, Ellwangen/Ost und Wört. Es handelte sich bei
sieben der insgesamt acht Exemplare um Männchen. Alle
Nistkastenbeobachtungen erfolgten im September.
Die einzige Beobachtung einer Fransenfledermaus im
Winterquartier wurde am 14.11.1987 in einem alten Lagerstollen
in Hohenberg gemacht.
Die Fransenfledermaus zählt zu den seltenen Arten in
Deutschland. Ein Grund dafür könnte möglicherweise in ihren
Nahrungsgewohnheiten liegen. SCHOBER und GRIMMBERGER erwähnen,
daß die langsam und geschickt fliegenden Waldjäger überwiegend
tagaktive Fliegen und Zweiflügler fangen, welche in ihrer
Ruhephase von Laub und Ästen abgelesen werden (14). Damit würden
die Fransenfledermäuse in Konkurrenz zu allen
insektenfressenden Vogelarten treten, welche ja die Bestände der
tagaktiven Insekten dezimieren. Die Nahrungsbeschaffung wäre für
sie somit ungleich schwieriger, als für die konkurrenzlos
jagenden übrigen Fledermausarten, die sich auf nachtaktive
Insekten spezialisiert haben. Die wenigen Funde lassen keine
Beurteilung der Häufigkeit der Fransenfledermaus in der Region
Ostalb zu.
4.8.: Bartfledermäuse (Myotis mystacinus / brandti)
Von den Bartfledermäusen kommen in Baden-Württemberg die beiden
Arten Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus KUHL 1819) und
Große Bartfledermaus (Myotis brandti EVERSMANN 1845) vor. Diese
beiden Arten werden noch nicht lange unterschieden. Erst 1958
publizierte TOPAL eine Arbeit, in welcher der Artstatus der
Großen Bartfledermaus (Myotis brandti) postuliert wurde (36). In
neuerer Zeit mehren sich darüberhinaus die Hinweise, daß eine
dritte Bartfledermausart (Myotis przewalski BOBRINSKI 1926) in
Südosteuropa vorkommt (14,37).
In der Region Ostalb liegen ältere Beobachtungen aus den Jahren
1939 (LÖHRL, zitiert nach KULZER, BASTIAN und FIEDLER, (02)) und
1953 (LÖHRL, (21)) jeweils aus der Charlottenhöhle vor. Damals
wurde noch nicht zwischen Großer und Kleiner Bartfledermaus
unterschieden und nur Myotis mystacinus als Artname genannt. Die
Unterscheidung ist nicht einfach, so daß auch heute noch bei
Feldbeobachtungen nur "Bartfledermaus" (Myotis
mystacinus/brandti) angegeben werden kann. In allen Fällen, wo
in der Region die genaue Artbestimmung bisher möglich war,
handelte es sich um die Kleine Bartfledermaus (Myotis
mystacinus).
Der erste solche Fund war ein Männchen, dessen Leiche am
6.8.1977 in Ellwangen entdeckt und eingefroren worden war. Die
Bestimmung als Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus) war so
im Jahre 1988 zweifelsfrei möglich. Ebenfalls ein totes Kleines
Bartfledermaus-Männchen wurde im Sommer 1988 in Königsbronn
gefunden. Das dritte Todesopfer, das am 7.6.1988 einem Aufprall
auf ein fahrendes Auto in der Nähe von Essingen erlegen war,
konnte dagegen nur noch als "Bartfledermaus" erkannt werden.
Auch hier handelte es sich um ein Männchen.
Die einzige weibliche Kleine Bartfledermaus wurde am 6.9.1988 im
Wohnzimmer eines Hauses in Heidenheim gefunden. Sie war etwas
untergewichtig, aber gesund und konnte nach dem Verzehr einiger
Portionen Mehlwürmer und nach einer Entlausung am 10.6.1988
wieder freigelassen werden.
Zwei Beobachtungen aus Winterquartieren sind bisher gemacht
worden, und zwar bei Königsbronn am 14.4.1982 und bei
Weipertshofen am 28.3.1987. Dabei hing jeweils ein Tier in einer
Höhle, beziehungsweise einem alten Lagerkeller.
Eines der bisher bekannten Sommerquartiere befindet sich in
Neuler bei Ellwangen. Hier wurden hinter dem Fensterladen eines
Hauses zwei Bartfledermäuse (Myotis mystacinus/brandti)
beobachtet. Es ist unklar, ob es sich hierbei um ein echtes
Sommerquartier oder um ein Zwischenquartier während des
Herbstzuges handelt, denn die Beobachtung erfolgte Mitte
September 1987. Die beiden Arten sind als wanderfähig mit
Zugstrecken bis zu 230 km bekannt (14).
Am 10.7.1989 gab es den ersten direkten Fortpflanzungsnachweis
für Myotis mystacinus/brandti. Hinter einem Fensterladen eines
alten Schlosses bei Aalen wurde ein verletztes Jungtier
gefunden. Es hatte einen Oberarmbruch erlitten, der in einer
Heidenheimer Tierarztpraxis behandelt und geschient wurde. Das
Junge war jedoch schon so geschwächt, daß es zwei Tage danach
starb. Die Bestimmung der Leiche, die noch juvenile Körpermaße
aufwies, ergab leider keine Unterscheidung der beiden
Zwillingsarten.
4.9.: Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini)
Bechsteinfledermäuse sind Waldfledermäuse, die zumeist naturnahe
Mischwälder und Parks bewohnen (14). Selbst im Winter bevorzugen
sie mitunter Baumhöhlen. Dementsprechend sind fast alle
Beobachtungen in der Region Nistkastenfunde. Lediglich LÖHRL
fand 1954 eine Bechsteinfledermaus überwinternd in der
Charlottenhöhle. In Häusern wurden von dieser in
Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohten Fledermausart bisher
keine Wochenstuben beobachtet, obwohl Gebäude als Quartiere
durchaus geeignet sein können. So berichtet zum Beispiel WILHELM
(39) von einem Fall, wo im Treppenhaus eines zweistöckigen
Gebäudes vier Bechsteinfledermäuse ihre Jungen aufzogen.
Nach KULZER, BASTIAN und FIEDLER (02) bevorzugen
Bechsteinfledermäuse im Sommer Quartiere, die unter 500 m NN
liegen. Dies bestätigen auch die Funde aus der Region Ostalb.
Sie stammen hauptsächlich aus dem Raum Ellwangen. Die Wälder der
Ellwanger Berge liegen etwa in 500 m Meereshöhe.
Drei Weibchen wurden bisher gefunden, und zwar eines im Revier
Rosenberg und zwei im Revier Ellwangen-Ost, jeweils in
Vogelnistkästen. Der einzige Fund eines Männchens wurde am
29.8.87 in einem selbstgebauten Meisenkasten im Vorgarten eines
Hauses in Kirchheim/Ries gemacht. Ein Tier unbekannten
Geschlechts fand sich am 5.6.87 in einem Fledermauskasten vom
Typ ISSEL im Revier Hohenberg-West und fünf weitere
Bechsteinfledermäuse wurden am 6.9.87 in Nistkästen des Revieres
Wört gefunden.
Ein direkter Fortpflanzungsnachweis ist bisher nicht gelungen.
Die Bechsteinfledermäuse sind jedoch sehr standorttreu und
wandern nicht viel weiter als etwa 40 km zwischen Sommer- und
Winterquartier (14). Somit kann man annehmen, daß in der Region
Ostalb auch Wochenstuben existieren.
4.10.: Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)
Sehr selten wird in der Region Ostalb der Kleine Abendsegler
beobachtet. Dies liegt zum Einen daran, daß diese typische
Waldfledermaus, stärker noch als ihr größerer Verwandter, der
Große Abendsegler (Nyctalus noctula), im Sommer wie im Winter in
Baumhöhlen, beziehungsweise in Nistkästen lebt und menschliche
Behausungen meidet. Zum Anderen ist er ebenfalls ein
Fernwanderer mit 810 km als weiteste belegte Zugstrecke (14).
Bisher wurden drei Weibchen in Nistkästen des Revieres Rosenberg
und ein Männchen aus dem Revier Ellwangen-Ost gemeldet.
Möglicherweise wird diese an sich schon seltene Fledermausart in
der Region weiter zurückgehen, da sie ausgedehnte Wälder mit
Altholzbeständen zum Überleben braucht (16). Das größte,
einigermaßen zusammenhängende Waldgebiet der Region Ostalb, die
Wälder des Virngrundes und der Ellwanger Berge, wurde durch den
Bau der Autobahn A7 ökologisch stark in Mitleidenschaft gezogen.
Daß sich dies auch auf die Bestände des Kleinen Abendseglers
auswirken wird, darf angenommen werden. So wird aus neuerer Zeit
von MERZ berichtet, daß vor dem Bau dieser Autobahn im ganzen
Gebiet des Virngrundes Kleine Abendsegler anzutreffen waren,
während danach nur noch westlich der A7 Beobachtungen gelangen
(33). Dem entsprechen auch die oben angeführten Funde in
Nistkästen, welche westlich der A7 gelegen sind.
Nach KULZER, BASTIAN und FIEDLER (02) konnten in ganz
Baden-Württemberg in den Jahren 1980 bis 1986 nur elf Sommer-
und vier Winterquartiere ermittelt werden. Es waren jeweils
Einzelfunde. Aufgrund dieser Ergebnisse wird die Art im ganzen
Land als vom Aussterben bedroht betrachtet; eine Einstufung, die
wahrscheinlich auch für den Kleinen Abendsegler in der Region
Ostalb zutreffen dürfte.
4.11.: Zweifarbfledermaus (Vespertilio discolor)
Die Zweifarbfledermaus wird in Baden-Württemberg nur sporadisch
angetroffen. Ihre Hauptvorkommen liegen in Nordosteuropa und sie
ist am Rande ihres Verbreitungsgebietes, also in der
Bundesrepublik, der Schweiz und Ostfrankreich entsprechend
selten (14). KULZER, BASTIAN und FIEDLER nennen 16 Fundorte in
den Jahren 1980 bis 1986. Dabei wurde nur eine größere Kolonie
mit 25 Tieren beobachtet (02). Direkte Fortpflanzungsnachweise
sind auch sonst kaum bekannt. ISSEL nennt eine Kolonie in
München im Jahre 1949, die 30 Weibchen umfaßte (40), und
berichtet im Jahre 1984 über eine weitere Kolonie in Oberbayern
(41). Die Münchener Kolonie war dabei über viele Jahre die
westlichste in ganz Europa (06), bis 1986 in Boudry in der
Schweiz ein verwaistes Jungtier gefunden und aufgezogen wurde
(26). Somit markiert der Schweizer Jura nunmehr die westliche
Verbreitungsgrenze der Art.
Zweifarbfledermäuse werden als Felsenbewohner beschrieben, die
in ihrer osteuropäischen Heimat schmale Gesteinsritzen besiedeln
(16). Bei uns sollen sie dagegen lieber menschliche Behausungen
vorziehen (05). Dies bestätigen die Beobachtungen von KULZER,
BASTIAN und FIEDLER (02), von Hermann FRANK aus dem Jahre 1985
(42) und auch die beiden Funde in der Region Ostalb. Die erste
dieser beiden Zweifarbfledermäuse wurde am 24.5.1986 gefunden
(34). Ein Männchen war in den Keller eines Wohnhauses in
Neresheim eingeflogen und von den Hausbesitzern vorsichtig
gefangen worden, welche tags darauf die Höhlen-InGO
informierten. Das Tier war völlig gesund und konnte wieder
freigelassen werden. Es befand sich wahrscheinlich auf der
Wanderung ins Sommerquartier.
Am 16.6.1989 wurde in Pfahlheim bei Ellwangen der zweite Fund
einer Zweifarbfledermaus gemacht, leider ein Totfund. Sie war in
ein Wohnzimmer eingeflogen und machte trotz geöffnetem Fenster
keine Anstalten, ihren Hangplatz an der Zimmerwand zu verlassen.
Der Besitzer schlug sie daraufhin mit einem Besen herunter. Die
schwer verletzte Fledermaus schleppte sich noch bis zum Balkon,
wo sie kurz darauf verstarb. Erst danach wurde ein Mitarbeiter
der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz informiert.
Die Region Ostalb dürfte der Zweifarbfledermaus wahrscheinlich
als Herbst- und Winteraufenthalt dienen. Die Art ist als
Fernwanderer mit Zugstrecken bis zu 900 km bekannt (14) und
verbringt den Sommer weitgehend im Norden und Nordosten. Auf den
Wanderflügen wird auch die Nord- und Ostsee überquert.
Erschöpfte Tiere wurden schon auf Ölbohrinseln 150 Meilen vor
der britischen Küste gefunden, rund 200 Meilen vom Europäischen
Festland entfernt (44,45).
4.12.: Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)
Die Kleine Hufeisennase ist in Baden-Württemberg eine Tierart,
für die folgende Definition zutrifft: "Arten, deren Vorkommen
früher belegt worden ist, die jedoch seit längerer Zeit trotz
Suche nicht mehr nachgewiesen wurden und bei denen daher der
begründete Verdacht besteht, daß ihre Populationen erloschen
sind". Diese Definition entstammt der Roten Liste der
gefährdeten Tiere und Pflanzen in Baden-Württemberg (38) und
kann auch mit einem Wort ausgedrückt werden: AUSGESTORBEN.
Dabei war sie einst wohl einmal unsere häufigste Fledermausart.
Zumindest wurde sie in ihren Winterquartieren immer häufiger
beobachtet, als das Große Mausohr (Myotis myotis), welches heute
ihren Platz in der Häufigkeitsskala einnimmt. Die erste solche
Beobachtung erfolgte in einer Höhle bei Königsbronn am
30.11.1913. Wilhelm KREH berichtet darüber (46):
" Als Zufluchtsort benützen die Höhle natürlich
auch Fledermäuse, die ihre Anwesenheit vor allem
durch ihren Kot anzeigen, zuweilen auch, durch
das Licht aufgeschreckt, den Besucher umflattern.
Sie zur Bestimmung zu fangen, gelang mir erst im
November 1913, als sie im Winterschlaf an der
Decke der Höhle hingen. Es waren zwei Arten, die
Mausohrfledermaus (Myotis myotis BORKH.) und die
kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposiderus
SCHREB.). Von ersterer sah ich nur 2 Stück. Von
letzterer dagegen eine stattliche Anzahl. "
Die nächsten dokumentierten Beobachtungen stammen aus der
Charlottenhöhle bei Hürben. KULZER, BASTIAN und FIEDLER (02)
berichten hier von zahlreichen Tieren, die 1938 an den
Lichtleitungen entlang des Führungsweges hingen. Ebenfalls in
der Charlottenhöhle beobachtete LÖHRL (21) im Jahre 1953 nicht
weniger als 57 Kleine Hufeisennasen und im Jahre 1969 immerhin
noch 43 Stück. Auch für die Bärenhöhle im Lonetal nennt LÖHRL
ein Vorkommen von 10 "Hufeisennasen" im Februar 1960. Er gibt in
der hier zitierten Quelle (21) nicht den vollständigen
wissenschaftlichen Namen an, meint aber offensichtlich die
Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros). Danach werden in
der Charlottenhöhle noch einmal von DOBAT (22) Kleine
Hufeisennasen gesehen (DOBAT nennt in der hier zitierten Quelle
kein Datum und keine Anzahl). Wir können den Rückgang dieser
Fledermausart in der Literatur nicht mehr weiter verfolgen, doch
als im Jahre 1982 die Höhlen-InGO ihre erste Fledermauskontrolle
in der Charlottenhöhle durchführte, war keine einzige
Hufeisennase mehr zu beobachten.
Ein letztes Mal konnte am 11.2.1984 ein Tier in einem
Bergwerksstollen bei Aalen beobachtet werden (07). In der
landesweiten Bestandsaufnahme der Arbeitsgemeinschaft
Fledermausschutz Baden-Württemberg, veröffentlicht von KULZER,
BASTIAN und FIEDLER (02), wird diese Beobachtung als die letzte
für Baden-Württemberg genannt. Seitdem gilt die Kleine
Hufeisennase als ausgestorben.
Rhinolophus hipposideros ist ausgesprochen standorttreu. Die
Regel sind Wanderungen von 5 bis 10 km zwischen Sommer- und
Winterquartier, die Rekorde liegen bei 146 km, beziehungsweise
153 km (14, 47). Im Vergleich zu den Fernwanderern Großer
Abendsegler (Nyctalus noctula) und Zweifarbfledermaus
(Vespertilio discolor), die rund 1000 km weit wandern können,
eine sehr kurze Distanz. Es gibt aber auch Berichte von Kleinen
Hufeisennasen, die lediglich vom Dachboden eines Gebäudes in den
Keller desselben Gebäudes gezogen sind (30). Somit besteht also
auch nur geringe Hoffnung, daß diese Fledermausart aus südlichen
Ländern, wo sie noch häufiger vorkommt, einmal wieder nach
Süddeutschland einwandern könnte.
4.13.: Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
Die Mopsfledermaus war in Süddeutschland schon immer selten.
Sie bezieht im Sommer enge Spalten an Gebäuden oder hinter
Fensterläden, aber auch Baumhöhlen. Den Winter verbringt sie
zumeist in Felshöhlen oder Felsspalten. In den Höhlen sucht
diese nicht frostempfindliche Art oft nur die eingangsnahen
Bereiche auf. Dabei scheinen ihr selbst Temperaturen von -5 Grad
Celsius wenig auszumachen (14). In sehr milden Wintern bleibt
sie anscheinend den angestammten Quartieren ganz fern (48). Dies
mag ein Grund sein, warum Mopsfledermäuse selten beobachtet
werden. Allerdings sind in ganz Baden-Württemberg die wenigen
bekannten Winterpopulationen zusammengebrochen, so daß KULZER,
BASTIAN und FIEDLER ihre Bestände als erloschen bezeichnen (02).
Die Art gilt somit als AUSGESTORBEN. Auch in anderen Ländern ist
der Rückgang der Mopsfledermäuse in den letzten Jahren enorm
gewesen, weshalb sie GEBHARD zu den am meisten gefährdeten
Tierarten Europas rechnet (26).
Als Ursache ihres Rückganges vermuten SCHOBER und GRIMMBERGER
(14) eine Verschlechterung des Nahrungsangebotes aufgrund des
Insektizid-Einsatzes in der Landwirtschaft.
Mopsfledermäuse sind Mittelstreckenwanderer mit maximalen
Zugstrecken von 290 km (49). In der Regel wandern sie jedoch
weniger als 20 km zwischen Sommer- und Winterquartier (30).
Somit dürfte eine Einwanderung aus Gebieten, wo die Tiere noch
häufiger vorkommen, ebenso wie bei der Kleinen Hufeisennase
(Rhinolophus hipposideros), ausgeschlossen sein.
Die einzigen Beobachtungen in der Region Ostalb stammen aus der
Charlottenhöhle, wo von LÖHRL (zitiert nach KULZER, BASTIAN und
FIEDLER (02)) und DOBAT (22) Mopsfledermäuse in den 60-er und
70-er Jahren beobachtet wurden.
5.: Ursachen des Rückganges
Fledermäuse gibt es schon seit vielen Millionen Jahren. In all
dieser Zeit konnten natürliche Feinde, Krankheiten und Parasiten
die Bestände kaum ernsthaft gefährden. Dieses "Privileg" hat als
einziger der Mensch.
5.1.: Dezimierung der Beutetiere
Um sich den europaweiten Rückgang der Fledermausbestände auf 10
% der ursprünglichen Individuenzahl erklären zu können, muß man
einiges über ihre Lebensweise wissen. Die einheimischen Arten
leben ausschließlich von Insekten, genauer gesagt von
nachtaktiven Insekten. Erstaunlicherweise leben viele
Fledermausarten in ein und derselben Landschaft, ohne daß eine
Art der anderen die Nahrung streitig macht. Wie kommt das? Nun,
jede Fledermausart hat ihre Nahrungsvorlieben, ihren ganz
spezifischen "Insekten-Diät-Plan". Der Nahrungsspezialist
Fransenfledermaus (Myotis nattereri), dessen "Ernährungsnische"
tagaktive Insekten während ihrer Nachtruhe sind, wurde schon
erwähnt. Ebenso wird das Braune Langohr (Plecotus auritus), das
oft im Rüttelflug Nachtfalter aus dem Geäst "pickt", kaum über
weiten Wasserflächen einer Wasserfledermaus (Myotis daubentoni)
"ihre" Eintagsfliege wegschnappen. Das Echo-Ortungssystem der
Langohren ist für die Jagd über dem Wasser nicht ausgelegt. Die
Ultraschall-Laute, welche die Fledermäuse bei der Jagd und zur
Orientierung ausstoßen, und auf deren Echo sie hören, sind von
Art zu Art in Reichweite und Frequenz verschieden. Der schnelle,
aber nicht sehr wendige Abendsegler (Nyctalus noctula) könnte
zum Beispiel einem Langohr keinen Nachtfalter im dichten Geäst
wegfangen. Seine Ultraschall-Laute sind auf den freien Luftraum
über den Baumkronen "eingestellt". Das Langohr sendet dagegen
weniger weit reichende, aber höher auflösende Töne aus. Durch
diese hochgradige Spezialisierung auf bestimmte Beutetiergruppen
machen sich die Fledermausarten untereinander keine Konkurrenz.
Aber eben dadurch sind sie auch an das Vorkommen bestimmter
Insektenarten gebunden. Werden diese zum Beispiel durch
Pflanzen-"Schutz"-Mittel gezielt vernichtet, müssen die
"zugehörigen" Fledermäuse regelrecht verhungern.
5.2.: Schwermetall - Anreicherung
Pflanzen-Düngung und Pflanzen-Schutz in der modernen
Landwirtschaft haben noch einen weiteren schädlichen
Nebeneffekt, nämlich die Anreicherung von Schadstoffen in der
Nahrungskette. Dies gilt sowohl für organische Agrochemikalien,
als auch für giftige Schwermetalle. Zum Beispiel weist im
Normalfall ein natürlicher Boden nur ganz geringe Belastungen
mit Schwermetallen auf. Das ändert sich sofort, wenn er gedüngt
oder gespritzt wird. Düngemittel werden bei ihrer Herstellung
mit Schwermetallen verunreinigt, ebenso Pflanzenschutzmittel,
die ja an sich schon giftig sind (50,51). Dies verstärkt den
natürlichen Schwermetallgehalt des Bodens. Kommt eine
Bodenversauerung (z.B. durch sauren Regen) hinzu, werden die
Schwermetalle leichter von den Pflanzen aufgenommen und
gespeichert. Von den Pflanzen leben wiederum die Schadinsekten,
in deren Körper sich die Gifte erneut anreichern. Raubinsekten,
welche die eigentlichen Schädlinge fressen, bilden eine weitere
Anreicherungsstufe. Diese können nun zum Beispiel vom Großen
Mausohr gefressen werden und hier kann es unter Umständen zu
bedenklichen Schadstoffkonzentrationen kommen. Dies zeigte eine
Untersuchung des Verfassers im Jahre 1985. Im analysierten Kot
einer Mausohr-Wochenstube fanden sich hohe Konzentrationen an
Cadmium, Kupfer, Blei und Zink (52). Auch der Kot einer anderen
Wochenstube, der am 15.5.1988 von Jörg PFÄNDER (53) untersucht
wurde, wies überhöhte Kupfer-, Blei-, und Zinkwerte auf (Tabelle
4).
5.3.: Insektizide
Über die Nahrungskette reichern sich auch Insektizide wie DDT
und Lindan Schritt für Schritt an. Sie können auch schon durch
blosen Hautkontakt aufgenommen werden, wenn etwa der Dachstuhl
einer Fledermauskolonie mit Holzschutzmitteln imprägniert wurde.
DDT ist mittlerweile weitgehend verboten. Im Jahre 1984 stellte
der letzte Lindan-Hersteller in der Bundesrepublik seine
Produktion ein (54). Aber immer noch ist der Wirkstoff im Handel
erhältlich. Er wurde (und wird) unter anderem als
Holzschutzmittel verwendet. Ein Jahr später, 1985, berichtet
KULZER (55) von Fledermäusen, die nach einer Dachsanierung
gestorben waren. Sie enthielten die 100- bis 1000-fache Menge
Lindan, die für solche Tiere üblich ist. Also selbst wenn die
Nahrung noch einigermaßen schadstoffrei ist, kann der Mensch die
Unterkünfte der Tiere unbrauchbar ma
Tab. 4.: Schwermetalle im Kot zweier Kolonien vom Großen Maus-
ohr (Myotis myotis) aus der Region Ostalb.
Konzentrationsangaben in mg/kg Trockensubstanz (ppm).
--------------------------------------------------------
Kolonie 1 Kolonie 2
nach SCHÄFFLER (52) nach PFÄNDER (53)
28.9.1985 15.5.1988
--------------------------------------------------------
Element Symbol ppm ppm
--------------------------------------------------------
Cadmium Cd 3.1 < 1
Chrom Cr 0.6 < 1
Kupfer Cu 43.6 51
Nickel Ni 1.8 < 1
Blei Pb 3.3 10
Quecks. Hg 0.7 1.1
Zink Zn 850 300
Eisen Fe - 320
Thallium Tl - < 0.1
Silber Ag - < 1
Mangan Mn - 290
--------------------------------------------------------
chen, wenn er mit falschen Chemikalien renoviert. Wie lange
solche Gifte im Nahrungskreislauf bleiben, zeigt die
Untersuchung einer Zwergfledermauskolonie (Pipistrellus
pipistrellus), durch DISSER und NAGEL (56) aus dem Jahre 1987.
Die Tiere waren einem
Hausabriß zum Opfer gefallen. Hier wurden immer noch DDT-Reste
gefunden, obwohl DDT seit vielen Jahren nicht mehr verwendet
wird (außer in der Forstwirtschaft bei Sonderfällen mit
Ausnahmegenehmigung der Behörden (57)). Bei dieser Untersuchung
war die Schadstoffkonzentration in den Leichen der Jungtiere
höher als in denen der Mütter. Die Autoren mußten daraus den
Schluß ziehen, daß die Mütter das fettlösliche Gift über die
Muttermilch an die Jungen weitergeben.
Bei den erwähnten Insektiziden Lindan und DDT handelt es sich um
sogenannte Chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW), die neben ihrer
Giftigkeit durch ihre Langlebigkeit ausgezeichnet sind. Dadurch
kommt es, wie gesagt, über mehrere Jahre hinweg zu
Anreicherungen in den Nahrungsketten. In den 70er-Jahren kamen
die Pyrethroide auf den Insektizid-Markt, auf dem sie heute
einen Anteil von etwa 30 % innehaben (43). Sie haben den Ruf,
"natürliche" Gifte zu sein, die Säugetieren nichts anhaben, also
für Mensch und Fledermaus ungiftig sind. Dies ist bei näherer
Betrachtung nur mit Einschränkung richtig. Der "Urstoff" der
Pyrethroide ist das Pyrethrum. Es kann aus einigen
Chrysanthemen-Arten gewonnen werden, zum Beispiel aus der in
Jugoslavien beheimateten Chrysanthemum cinerariaefolium. Diese
Pflanze wird seit 1820 in Europa kultiviert und seit 1920 vor
allem in Kenya auf Plantagen angebaut. Das Pyrethrum selbst ist
ein Substanz-Gemisch aus verschiedenen Pyrethrinen (57). Wird es
von einem Säugetier berührt oder verschluckt, so wirkt es nur
wenig giftig; kommt dagegen ein Insekt damit in Kontakt, so hat
es die Wirkung des bekannten E 605 (Parathion). Dieselbe Wirkung
kann aber auch bei Säugetieren eintreten, wenn das Gift nicht
nur berührt wird, sondern direkt in den Blutkreislauf gelangt,
zum Beispiel über eine offene Wunde (58). Da es allerdings, an
Luft oder Licht aufbewahrt, sehr rasch zerfällt, kann es im
vorbeugenden Holz- oder Pflanzenschutz nur schlecht angewandt
werden (57).
Dieses Problem wurde gelöst, indem man die natürlichen
Pyrethrine im chemischen Labor synthetisierte und veränderte.
Die so entwickelten Substanzen werden Pyrethroide genannt. Es
sind keine Naturstoffe, sondern künstliche Produkte der
Petrochemie. Bei einigen von ihnen wurde eine längere
Haltbarkeit durch Chlorieren oder Bromieren erreicht. Diese
Produkte, die unter der Bezeichnung Permethrin, Cypermethrin und
Delta- oder Dekamethrin im Handel sind, werden von Lebewesen nur
schwer abgebaut, reichern sich also ebenfalls über
Nahrungsketten an und sind außerdem noch giftiger als der
Ausgangsstoff Pyrethrum.
Aus dieser Gruppe scheint das chlorierte Permethrin für
Säugetiere einigermaßen gut verträglich zu sein, sofern es nicht
in den Blutkreislauf gelangt. Daher hat es in der Vergangenheit
die "klassischen" Gifte Lindan und DDT weitgehend vom Markt
verdrängt. Bei richtiger Verarbeitung im vorbeugenden Holzschutz
ist es für Fledermäuse tatsächlich verträglich, wie Tests an der
Universität Tübingen (60) und ein Bericht von ROER (61) über
eine erfolgreiche Dachsanierung zeigen. Aber gerade ROER weist
einschränkend darauf hin, daß noch keine Langzeitversuche
gemacht wurden. Permethrin ist in den USA als krebserregend
eingestuft (58). Äußerste Vorsicht bei seiner Ausbringung ist
also durchaus angebracht.
Es wäre sicher im Sinne von Mensch und Tier, wenn so wenig wie
möglich dieser Chemikalien mit Langzeitwirkung verwendet würden.
Speziell im Holzschutz gibt es ungiftige Behandlungsweisen, wie
das Heißluftverfahren, um Schadinsekten wirksam zu bekämpfen.
Auch ROER schlägt vor, das Heißluftverfahren einer
Pyrethroid-Behandlung, wo immer möglich, vorzuziehen (61).
In diesem Zusammenhang soll einmal darauf hingewiesen sein, daß
Holzschädlinge, ob Schimmel, Pilze oder Holzkäfer, nur
Folgeerscheinungen sind. Ursache und Lebensvoraussetzung für
diese Plagen ist oft die Feuchtigkeit (62). Wichtig bei
Errichtung und Pflege eines Dachstuhls ist also zum Beispiel,
daß nur trockene, gut abgelagerte Hölzer verwendet werden und
daß die Dichtheit des Daches kontrolliert wird. Dann kann -
Dachstühle vieler alter Kirchen und z.B. auch des Ellwanger
Schlosses beweisen es - auf Lüftungsziegel und auf chemischen
Holzschutz jahrhundertelang verzichtet werden. Es ist ein Fall
bekannt geworden, wo bei einem Neubau nach 6 Jahren noch keine
Schädlinge aufgetaucht waren, obwohl die Zimmermannsfirma auf
den Wunsch des Bauherrn, keine Chemie einzusetzen, mit dem
Verweigern der Garantieansprüche reagiert hatte (63). Der
natürliche Holzschutz beginnt im Wald. Nur der richtige
Zeitpunkt des Holzeinschlages garantiert, daß der Baum keine
Säfte mehr enthält. Dies steckt hinter den alten
Volksweisheiten, die besagen, daß Holz gegen Schädlinge dann
widerstandsfähig ist, wenn es bei Neumond und Südwind im Januar
oder Februar geschlagen wurde (64). Wird das Holz lange genug an
Luft getrocknet, so hat es genügend Feuchtigkeit verloren, um
Schädlingen widerstehen zu können. In der Regel wird heute aber
nicht so lange gewartet; das Holz wird in Trockenkammern einer
Schnelltrocknung unterzogen. Es entzieht sich der Kenntnis des
Verfassers, inwieweit zu kurze Trockenzeiten durch chemische
Imprägnierung "ausgeglichen" werden können.
5.4.: Störungen in den Quartieren
Störungen der Fledermäuse in den Quartieren können für die Tiere
den Tod bedeuten. Im Winter gibt es keine Insekten zu fangen.
Deshalb haben die einheimischen Arten die Fähigkeit zum
Winterschlaf entwickelt. Es handelt sich hier nicht um einen
Schlaf im eigentlichen Sinn, sondern um einen tiefen
Lethargie-Zustand, einer "kontrollierten Bewußtlosigkeit"
vergleichbar. Dabei werden alle Lebensvorgänge auf ein
notwendiges Minimum gedrosselt. Der Pulsschlag wird auf wenige
Schläge pro Minute reduziert; nur ein paar Atemzüge in dieser
Zeit liefern genug Sauerstoff für die verlangsamten
Stoffwechselvorgänge. Die Körpertemperatur sinkt fast bis auf
die Umgebungstemperatur. In diesem Zustand ist die Fledermaus
bewegungsunfähig. Sie lebt so den ganzen Winter von den
Fettvorräten, die sie sich im Herbst angefressen hat. Bei einer
Störung - das kann schon das blose Vorbeigehen eines Menschen
sein - wird sie als erstes versuchen, zu erwachen. Dazu werden
innerhalb einer Viertelstunde erhebliche Mengen des
gespeicherten Fettvorrates verbraucht. Die Körpertemperatur
steigt auf etwa 40 Grad Celsius und die Fledermaus kann ihren
Hangplatz wechseln. Ein normales Erwachen in einer
Winterschlafpause dauert viel länger und verbraucht weniger
Energiereserven. Wenn im Laufe eines Winters zu viele Störungen
erfolgen, so werden die Fettvorräte frühzeitig verbraucht und
der Winterschläfer verhungert. Unter Umständen werden die Tiere
auch gezwungen, ungünstigere Quartiere aufzusuchen, wo sie zum
Beispiel einem plötzlichen Frosteinbruch zum Opfer fallen
können.
Störungen im Sommerquartier können zweierlei Folgen haben. Im
Falle eines einzeln lebenden Männchens wird das Tier sein Revier
unter Umständen aufgeben und wegziehen. Die
Versteckmöglichkeiten einzelner Fledermäuse sind im Sommer
nahezu unbegrenzt. Ganz anders ist das bei einer großen
Weibchenkolonie. Die Tiere finden heutzutage kaum noch geeignete
Quartiere in Gebäuden oder Baumhöhlen, um dort ihre Jungen zur
Welt zu bringen und aufziehen zu können. Erfolgt die Störung im
Frühjahr, so wird die Kolonie möglicherweise ein schlechteres
Quartier aufsuchen, wo ein Großteil der jungen Fledermäuse
später einer Schlechtwetter-Periode zum Opfer fallen kann. Sind
die Jungen schon geboren, aber noch nicht flugfähig, so werden
sie entweder mitgenommen oder müssen zurückbleiben und
verhungern. Auch beim Umziehen mit den Jungen können diese
verloren werden und zu Tode stürzen. Bei Störungen im Herbst
sind die erwachsenen Fledermäuse unter Umständen schon in die
Zwischenquartiere abgewandert und es werden nur noch die Jungen
eines Jahrgangs vertrieben, die länger in den Quartieren
bleiben, als die Alten. Sie müssen dann andere Quartiere zu
einer Zeit suchen, wo sie eigentlich die einzigen ihnen
bekannten Jagdgebiete ausnützen sollten, um sich den dringend
benötigten Winterspeck anzufressen. Dadurch kann es unter den
Erstüberwinterern zu großen Verlusten kommen.
Die Zeit, in der die Jungen noch nicht flügge sind und ihre
Körpertemperatur noch nicht aus eigener Kraft regulieren können,
ist zweifellos die schwierigste Phase im Leben der Fledermäuse.
Hier sind Mütter und Kinder gegen Störungen am empfindlichsten,
wie verschiedene Autoren belegen. BLAB (05) erwähnt, daß die
Tiere dann unter Umständen sogar die Jungen verlassen. Auch
KULZER, BASTIAN und FIEDLER (02) betonen, daß Unruhe in den
Wochenstuben stets zu Verlusten führt. RICHARZ (68) schreibt,
daß in dieser Zeit auch Quartierbetreuer (an die die Fledermäuse
meistens gewöhnt sind) die Kolonie in Ruhe lassen sollten. Umso
bedauerlicher ist es, daß in letzter Zeit in der Region Ostalb
verstärkt Störungen durch Fotografen und Filmemacher erfolgt
sind. "Sensationsfotos" von Müttern mit Jungen sind zweifellos
"niedlich". Der friedliche Eindruck täuscht aber über die
Tatsache hinweg, daß durch häufiges Blitzlicht oder helle
Filmleuchten eine Panik unter den Fledermäusen provoziert wird,
bei der die Säuglinge vom Hangplatz abstürzen können. Das
Verhalten solcher Leute ist gewissenlos und überdies laut
Naturschutzgesetz verboten.
Am verheerendsten ist sicher die Störung einer Sommerkolonie bei
gleichzeitiger Renovierung des Daches. Wenn hier rücksichtslos
und unsachgemäß vorgegangen wird, ist der Dachstuhl auf Jahre
hinaus für die Kolonie unbrauchbar. Zahlreiche Kirchendachstühle
in der Region, deren Kolonien nach Renovierungen erloschen sind,
belegen dies. Als Beispiele seien genannt die Katholische Kirche
in Fachsenfeld, die Kirche in Ellenberg und die Kirche in
Lauchheim. Aus der Lauchheimer Kirche existieren noch
Fotografien aus dem Jahre 1985, wo mindestens 30 Fledermäuse,
vermutlich Große Mausohren (Myotis myotis) abgebildet sind. Nach
einer Holzimprägnierung des gesamten Dachbodens sind die Tiere
bis heute verschwunden. Die Vertreibung der einzigen
Breitflügelfledermaus-Kolonie (Eptesicus serotinus) der Region
wurde schon geschildert.
Baumhöhlen bewohnende Arten können nach baumchirurgischen
Maßnahmen oftmals ihr angestammtes Quartier nicht mehr benutzen.
Wenn der Baum gefällt wird, können sie dabei getötet werden. Im
Winter werden sie dadurch aus der Winterschlaf-Lethargie
gerissen und müssen sich, unter Umständen bei klirrendem Frost,
ein anderes Quartier suchen. Die Suche wird dann in den meisten
Fällen tödlich enden.
5.5.: Aberglaube
Wo immer man heute über Fledermäuse spricht, wird man gefragt,
ob "die nicht giftig, gefährlich, bissig, schädlich, glitschig,
kalt oder eklig sind". Der Ursprung dieser abergläubischen und
falschen Vorstellungen liegt weit zurück. Schon in der Bibel
werden die Fledermäuse als "unrein" bezeichnet (65). Ihre
nachtaktive Lebensweise, die eine Beobachtung erschwert, brachte
ihnen den Ruf ein, mit dem Teufel in Verbindung zu stehen.
Andererseits wurden Teile des Fledermauskörpers auch als
"Heilmittel" verwendet. Einige kuriose Rezepte seien hier
angeführt. Die erste Quelle stammt aus dem Jahre 1697 (66). Es
ist das "Kreutterbuch" des Adam LONICERUS. Darin heißt es:
..."Die Fledermauß ... sucht ihre Nahrung bey der Nacht/
wie die Eulen/und fleugt im Lufft mit ihren häutigen
Flügeln. Es ist ein Thier gleich den Mäusen mit der
Stimm. Sein Blut macht Haar außfallen. Die Salb oder
Schmalz der Fledermauß bewahrt der Jungfrauen Brust
vor der übermässigen Grösse. Sein Asch schärffet
das Gesicht/und dienet zu den Flecken und Werzlin
der Auge."
Fünfzig Jahre später ist in "Der Kluge Hausvater" von Johann
Joachim BECHERS (1747) zu lesen (67):
..."Wenn man Haare will wegbringen, so salbe man den
Ort mit Fleder-Mäusz-Blut und Gehirn, oder menge
das Gehirn mit Milch und schmiere den Ort."
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß nach JAMES K. BAKER
(69) auch aus Ägypten der Brauch bekannt ist, Fledermausblut als
vorbeugendes Mittel gegen unerwünschten Haarwuchs einzusetzen.
Sagen und Mythen in Verbindung mit Scharlatanerie haben allzu
oft Anlaß gegeben, den Fledermäusen nachzustellen, sie zu töten
und ihre Quartiere zu vernichten. Fledermaus-Aberglaube gehört
aber keineswegs der Vergangenheit an. Immer wieder neu verfilmte
Dracula-Stories zeigen dies. Für sich spricht auch die Aussage
eines Priesters, die dem Verfasser aus glaubhafter Quelle zur
Kenntnis kam: "Er sei sich nicht sicher, ob Fledermäuse
Geschöpfe Gottes wären oder nicht". In den 80er-Jahren dieses
Jahrhunderts eine bemerkenswerte Unsicherheit...
5.6.: Tollwut
Wenn zum Aberglauben auch nur der Anschein seiner realen
Bestätigung kommt, so neigen die Menschen wider besseren Wissens
dazu, noch zäher an den abergläubischen Vorstellungen
festzuhalten. Dies mag wohl auch bei einem Zeitungsartikel der
Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine Rolle gespielt haben, die
sich damit nicht gerade ein Glanzstück fundierter
Öffentlichkeits-Information geleistet hat (70). Der Artikel
erschien am 23.9.1987 und es war darin zu lesen, daß ein Junge
nachts im Schlaf von einer Fledermaus "angefallen" worden war.
Die Fledermaus war gefangen und getötet worden. Sie kam zur
Untersuchung, wobei eine Tollwut-Infektion des Tieres
festgestellt wurde. Der Artikel war bewußt in panikmachendem Ton
abgefaßt, obwohl im Nachsatz zugegeben wurde, daß der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur noch zwei ähnliche Fälle
bekannt waren.
Leider ist daran tatsächlich ein Körnchen Wahrheit, wenn auch
bestimmt kein bewußter Angriff des Tieres erfolgt ist. Aber in
den letzten Jahren sind immer wieder einzelne Tollwut-Fälle bei
Fledermäusen bekannt geworden. Im Jahre 1986 griff die
norddeutsche Presse diese Meldungen auf und startete eine
großangelegte publizistische Hetze gegen Fledermäuse. Genauere
wissenschaftliche Untersuchungen erbrachten folgendes Ergebnis
(71). Das Fledermaus-Tollwutvirus ist einem afrikanischen
Virus-Stamm ähnlich, der unter dem Namen "Duvenhage-Virus"
bekannt ist. Dieses Virus ist NICHT identisch mit jenem, das bei
uns die Wild- und Haustier-Tollwut verursacht. Gleichwohl können
auch Menschen daran erkranken. Eine Impfung mit den
herkömmlichen Impfstoffen gegen Fuchs-Tollwut schützt aber auch
gegen das Duvenhage-Virus. In Mitteleuropa ist, obwohl man das
Virus seit den 50-er Jahren kennt, kein Mensch an
Fledermaus-Tollwut erkrankt, auch der oben erwähnte Junge nicht.
Es wird vermutet, daß höchstens 0,5 % aller einheimischen
Fledermäuse mit Tollwut infiziert waren. Die neuesten
Untersuchungen an der Universität Tübingen haben ergeben, daß
die Tollwut bei Fledermäusen in den Jahren 1987 und 1988
bundesweit zurückgegangen ist (72). Das Virus wurde bisher
hauptsächlich bei Breitflügelfledermäusen (Eptesicus serotinus)
gefunden. Diese Art ist bei uns vom Aussterben bedroht. Das
heißt, lieber Leser, daß Sie, rein statistisch gesehen, von
MINDESTENS 200 Breitflügelfledermäusen gebissen werden müßten,
um einmal Tollwut zu bekommen. Bitte überlegen Sie sich, wie oft
Sie schon von EINER Fledermaus gebissen worden sind. Dann können
Sie Ihr persönliches Tollwut-Risiko einschätzen.
Ob eine Fledermaus an Tollwut erkrankt ist, kann ein Laie
niemals beurteilen. Die Gesundheitsbehörden in Husum mußten sich
im März 1987 belehren lassen, daß "lahme", flugunfähige
Fledermäuse nicht die Symptome von Tollwut, sondern Anzeichen
des Winterschlafes zeigten (73). Weil sie dann nämlich ihre
Körpertemperatur senken und den Kreislauf verlangsamen, werden
die Muskeln nicht mehr vollständig durchblutet und die Tiere
sind bewegungsunfähig. Dennoch griff der "Harz-Kurier" am
29.12.87 diesen Unsinn auf und behauptete sogar noch, es wären
"Kinder exponiert" worden, welche den flugunfähigen Tieren
helfen wollten (59). Auch im Sommer tritt bei kalter Witterung
eine Lethargie auf. In jedem Fall beginnt die Fledermaus beim
Erwachen heftig zu zittern, um dadurch zusätzliche Wärme zu
erzeugen. Sie ist dabei völlig gesund !
Deshalb bitte bei einem Fledermaus-Biß, der auch bei kranken
Fledermäusen nur in Abwehr erfolgt, das Tier mit Handschuhen
vorsichtig fangen und in einen Schuhkarton legen, den man am
besten an einen kühlen, dunklen Ort stellt. Der Häftling wird
sich dann beruhigen. Umgehend ist ein Mitarbeiter der
Höhlen-InGO zu informieren (siehe Anschrift des Verfassers), der
Art und Gesundheitszustand der Fledermaus feststellen kann.
Unter der folgenden Telefon-Nummer kann bei Notfällen jederzeit
Auskunft verlangt werden : 07321 / 327 397 (Museum im
Römerbad) .
5.7.: Biotop-Vernichtung
Fledermäuse brauchen Nahrung. Sie brauchen sehr viel Nahrung.
Und sie brauchen eine ganz spezielle Nahrung: Insekten. Auch
Insekten brauchen Nahrung. Das können andere Insekten oder auch
Pflanzen sein.
Nun können sich unsere Fledermäuse aber nicht nur von einer
Insektenart ernähren. Vielmehr hat jede Fledermausart ihr ganz
spezielles, vielfältiges Nahrungsspektrum an Insekten. Die
Fledermäuse brauchen also zum Überleben möglichst viele
Insektenarten. Jedes Insekt hat aber ein ebenso vielfältiges
Nahrungsspekt-rum. Das heißt letzlich, daß zum Überleben der
Fledermäuse eine äußerst vielfältige Pflanzenwelt vonnöten ist.
Jedes "Unkraut" wird zur wichtigen Futterpflanze.
Alle Pflanzen und Insekten haben bestimmte Ansprüche an die
Umwelt. Um allen gerecht zu werden, muß die Umwelt also
vielgestaltig sein. Trocken- und Feuchtgebiete müssen einander
abwechseln, Wälder und Wiesen, magere und fette Böden. Eine
eintönige "Kultursteppe" aus Asphaltstraßen, Betonflächen und
Getreide-Monokulturen ohne Gebüsche, Hecken, Tümpeln und Mooren
ist ökologisch gesehen fast schon eine Wüste.
Diese natürlichen Landschaften mit ihrer Artenvielfalt gilt es
in der Zukunft zu erhalten, um das Überleben unserer
verbliebenen Fledermausarten zu sichern. Ganz im Gegensatz dazu
werden aber immer noch wertvolle Biotope durch Wohnungsbau,
Straßenbau und Flurbereinigung vernichtet. Insbesondere die
Baumaßnahmen wirken sich hier in ihrer Endgültigkeit verheerend
aus. Eine naturnahe Landschaft enthält aber nicht nur
vielfältiges Leben, sie trägt darüberhinaus auch noch deutlich
zum Erholungswert einer Region bei (04). Jede Kommune sollte
deshalb eingehend prüfen, ob die jeweils ins Auge gefaßten
Bauprojekte nicht wichtige Lebensgrundlagen (und damit in
letzter Konsequenz auch Arbeitsplätze) vernichten.
6.: Schutzmaßnahmen
Verschiedene Schutzmaßnahmen wurden in den voranstehenden
Kapiteln erwähnt, wie zum Beispiel der Erhalt naturnaher
Landschaften, wichtiger Sommerquartiere und Einschränkung von
Spritz- und Düngemitteln.
Speziell für Fledermäuse sollten unbedingt alte Stollen und
Keller geöffnet und mit Fledermaustoren, oder aber
Einschlupflöchern von 10 mal 40 cm Größe versehen werden. Die
Höhlen-InGO hat in den letzten Jahren auf diese Weise zahlreiche
Heidenheimer Luftschutzkeller aus den Kriegstagen neu "belebt".
Die Ergebnisse sind positiv; die Quartiere wurden zum Teil schon
angenommen.
Wer die Quartiernot der Fledermäuse im Sommer etwas lindern
möchte, kann versuchen, seinen Dachboden - sofern er nicht
benutzt wird - den Nachtjägern zugänglich zu machen. Dazu genügt
es unter Umständen schon, die Insektengitter aus den
Lüfterziegeln zu entfernen. Wenn das Gebälk trocken ist (erst
einige Jahre nach der Errichtung ! ) muß man auch nicht mit
Schädlingsbefall rechnen. Voraussetzung für die Öffnung ist
allerdings, daß das Holz mit Sicherheit nicht vor seiner
Verarbeitung mit Insektiziden behandelt wurde. Sonst hat man
eine Fledermaus-Falle geschaffen. Lindan wirkt zum Beispiel auch
nach 10 Jahren noch, wie der Verfasser durch eigene
Beobachtungen belegen kann. Besser ist es dann, an der Hauswand
durch Fledermaus-Bretter ein Fensterladen-Quartier nachzuahmen,
das von manchen Arten bevorzugt wird. Das Brett sollte etwa 2 cm
von der Wand entfernt sein und nur eine Öffnung nach unten
haben.
Die Situation der Baumhöhlen-Bewohner unter unseren Fledermäusen
kann duch das Stehenlassen alter Bäume verbessert werden. Auch
sollte bei holzchirurgischen Maßnahmen in Parkanlagen darauf
geachtet werden, daß eine nach unten offene Resthöhle verbleibt.
Darüberhinaus können Fledermaus-Kästen aufgehängt werden, die
mittlerweile in großer Zahl im Handel sind, aber auch selbst
hergestellt werden können. Auskünfte über Anfertigung und
Ausbringung erteilt die Höhlen-InGO, die einige Kastentypen in
Testreihen aufgehängt hat.
Alle diese Maßnahmen können in der Zukunft dazu beitragen, den
derzeitigen Mindestbestand an Fledermäusen aufrechtzuerhalten.
Um die Bestände aber wieder auf stabile Größe anwachsen zu
lassen, müssen großflächige Landschaftsteile erhalten,
beziehungsweise wieder renaturiert werden. Es ist größtes
Gewicht auf die Neuschaffung von zusammenhängenden
Einzelbiotopen zu legen, die sowohl Quartiere, als auch
Jagdmöglichkeiten für Fledermäuse bieten und überdies auch für
andere gefährdete Tier- und Pflanzenarten lebensnotwendig sind.
Dabei sollten die Zugstrecken unserer fernwandernden
Fledermausarten berücksichtigt werden. Dies erfordert mutige und
weitblickende politische Entscheidungen, wie sie heute leider
nicht die Regel sind. Ein Lernprozess bei den Verantwortlichen,
aber auch bei jedem Einzelnen, müßte eingeleitet werden, der von
einer Einteilung der Umwelt in "nützlich" oder "schädlich"
wegführt und JEDER Kreatur um ihrer selbst Willen Raum zum
Überleben läßt. Möge dieser Beitrag Anstoß sein, einen solchen
Lernprozess in Gang zu bringen.
7.: Zusammenfassung
In dem Beitrag werden die Fledermausarten der Region Ostalb und
ihre Bestandsentwicklung beschrieben. Es sind 14 Arten bekannt,
von denen mittlerweile 2 Arten ausgestorben sind. Die
Beobachtungen der Höhleninteressengemeinschaft Ostalb (InGO)
e.V. von 1980 bis 1988 werden dargestellt. Es wird versucht,
anhand alter Literaturstellen Hinweise auf frühere Populationen
zu geben.
Die Bestände der häufigeren Arten Großes Mausohr (Myotis
myotis), Wasserfledermaus (Myotis daubentoni), Zwergfledermaus
(Pipistrellus pipistrellus) und Langohr (Plecotus spec.) sind in
der Region Ostalb derzeit weitgehend stagnierend. Über die
Bestände der selten beobachteten Arten können vorläufig noch
keine Angaben gemacht werden.
Die Arbeit der Höhlenforscher, wie auch der Arbeitsgemeinschaft
Fledermausschutz Baden-Württemberg wird kurz vorgestellt.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Ursachen des dramatischen
Bestandsrückganges gelegt, den die Fledermäuse in den letzten 40
Jahren erlitten haben. Die Zusammenhänge mit unserer modernen
Industriegesellschaft werden in Kürze aufgezeigt.
8.: Literatur
01 HECKENROTH; PILGRIM; POTT (1987): Fledermäuse, Hinweise zum
Tierartenschutz in Niedersachsen, Merkblatt Nr.:8, 6.Auflage,
Herausgeber: Niedersächsisches Landesverwaltungsamt - Fach-
behörde für Naturschutz, Hannover.
02 KULZER, Erwin; BASTIAN, Hans Valentin; FIEDLER, Mathias
(1987): Fledermäuse in Baden-Württemberg, Ergebnisse einer
Kartierung in den Jahren 1980-1986 der Arbeitsgemeinschaft
Fledermausschutz Baden-Württemberg, Beihefte zu den Veröf-
fentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Ba-
den-Württemberg, Herausgeber: Landesanstalt für Umweltschutz
Baden-Württemberg, Institut für Ökologie und Naturschutz,
Karlsruhe.
03 Gesetz zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und
über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (1988),
vom 21. Oktober 1975 (GBl.S.654; ber. GBl.1976 S.96; zuletzt
geändert durch AnpassungsVO vom 19.3.1985, GBl. S.71,77),
veröffentlicht in: NaturschutzR, Naturschutzgesetze des Bun-
des und der Länder, Beck-Texte im dtv-Verlag, 4. Auflage,
Stand: 1.12.1988, München.
04 BRONNER, Gerhard (1988): Schutz von Karstformen in Baden-
Württemberg, Veröffentlichungen für Naturschutz und Land-
schaftspflege in Baden-Württemberg, Jahrgang 63, Karlsruhe.
05 BLAB, Josef (1980): Grundlagen für ein Fledermaus-Hilfspro-
gramm, Themen der Zeit, Heft Nr.: 5, Kilda-Verlag, Greven.
06 GEBHARD, Jürgen (1985): Unsere Fledermäuse, Veröffentlichun-
gen aus dem Naturhistorischen Museum Basel, Nr. 10, 2.Aufla-
ge, Basel.
07 SCHÄFFLER, Manfred (1988): Fledermäuse im Stadtgebiet von
Aalen, Aalener Jahrbuch 1988, Aalen.
08 BANTEL, Dietrich (1986): Grußwort, Speläo Südwest 1986, Mate-
rialhefte zur Karst- und Höhlenkunde (MKH 4/1986), Herausge-
ber: Höhlen-Interessengemeinschaft Ostalb (InGO) e.V., Heiden-
heim.
09 JANTSCHKE, Herbert (1988): Höhlen in Stadtgebiet von Aalen,
Aalener Jahrbuch 1988, Aalen.
10 KULZER, Erwin (1987): Helmut Frank zum Gedächtnis, Rund-
schreiben an alle Mitglieder und Freunde der Arbeitsgemein-
schaft Fledermausschutz Baden-Württemberg, 15.12.1987, Tübin-
gen.
11 MÜLLER, Ralph (1986): Eine Zukunft für unsere Vergangenheit?,
Speläo Südwest 1986, Materialhefte zur Karst- und Höhlenkun-
de (MKH 4/1986), Herausgeber: Höhlen-Interessengemeinschaft
Ostalb (InGO) e.V., Heidenheim.
12 NAGEL, Alfred; FRANK, Helmut; NAGEL, Rainer; BAUMEISTER, Man-
fred (1988): Schutzmaßnahmen für winterschlafende Fledermäuse
und ihr Einfluß auf die Bestandsentwicklung, Veröffentlichun-
gen zu Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg,
Jhg. 63, Karlsruhe.
13 HORACEK, Ivan (1985): Population Ecology of Myotis myotis in
Central Bohemia (Mammalia: Chiroptera), Acta Universitatis
Carolinae - Biologica, Volume 1981, No.3-4, Institute of Sys-
tematic Zoology, Charles University, Prague.
14 SCHOBER, Wilfried; GRIMMBERGER, Eckard (1987): Die Fledermäuse
Europas, Kennen - bestimmen - schützen, Kosmos Naturführer,
Franckh'sche Verlagshandlung, W. Keller & Co., Stuttgart.
15 EPPMANN, Bernhard (1977): Hochwasserschutz in der Region Ost-
württemberg, Raumordnungsbericht des Regionalverbandes Ost-
württemberg, Band 5, Hydrogeologie/Wasserversorgung, Schwä-
bisch Gmünd.
16 MAYWALD, Armin; POTT, Bärbel (1988): Fledermäuse, Leben, Ge-
fährdung, Schutz, Reihe: Natur erleben, Ravensburger Buchver-
lag Otto Maier GmbH, Ravensburg.
17 DEGN, Hans Joergen (1987): Bat counts in Moensted Limestone
Cave during the year, Myotis, Mitteilungsblatt für Fledermaus-
kundler, Band 25, Bonn.
18 OSTERTAG, Wolfgang (1987): Persönliche Mitteilung.
19 GEBHARD, Jürgen (1988): Persönliche Mitteilung vom 22.2.88.
20 BAUER (1960): Zitat nach SCHOBER und GRIMMBERGER (1987),(14).
21 LÖHRL, Hans (1960): Die Höhlen als Überwinterungsorte für Fle-
dermäuse, Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde,
Herausgeber:
Verband der Deutschen Höhlen-und Karstforscher e.V., München.
22 DOBAT, Klaus (1974): Die Pflanzen- und Tierwelt der Charlot-
tenhöhle, Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde, Reihe A:
Speläologie, Heft 3: Die Charlottenhöhle bei Hürben, 2. Auf-
lage, München.
23 HEINICKE, Wolfgang; KRAUSS, Andreas (1978): Zum Beutespektrum
des Braunen Langohrs (Plecotus auritus L.), Nyctalus , Mit-
teilungen aus dem Arbeitskreis für Fledermausschutz und -for-
schung der DDR, Band 1, Heft 1, Berlin.
24 KRAUSS, A. (1978): Materialien zur Kenntnis der Ernährungs-
biologie des Braunen Langohrs (Plecotus auritus L.), Zool.
Abh. Staatl. Mus. Tierk. Dresden, 34, 325-337. Zitiert wird
eine Zusammenfassung dieses Artikels von HAENSEL, Joachim
(1980): Nyctalus, Mitteilungen aus dem Arbeitskreis für Fle-
dermausschutz und -forschung der DDR, Band 1, Heft 3, Berlin.
25 ARNOLD, Andreas (1983): Fledermausbeutereste aus dem Dachbo-
den der Kirche Zschocken 1980/81, Nyctalus, Mitteilungen aus
dem Arbeitskreis für Fledermausschutz und -forschung der DDR,
Band 1, Heft 6, Berlin.
26 GEBHARD, Jürgen (1987): Fledermäuse - heimlich, aber nicht un-
heimlich, Schweizer Tierschutz, Du + die Natur, 114. Jahrgang,
Nr. 1, Bern.
27 RICHTER, G.; STORCH, G. (1980): Beiträge zur Ernährungsbiolo-
gie eozäner Fledermäuse aus der "Grube Messel", Natur und Mu-
seum 110, 353-367. Zitiert wird eine Zusammenfassung dieses
Artikels von DEEGEN (1982): Nyctalus, Mitteilungen aus dem
Arbeitskreis für Fledermausschutz und -forschung der DDR,
Band 1, Heft 4/5, Berlin.
28 NOVAK, I.; SEVERA, F. (1983): Der Kosmos-Schmetterlingsfüh-
rer, Franckh'sche Verlagshandlung, W. Keller & Co., 2. Auf-
lage, Stuttgart.
29 PFITZENMAIER, Gerd (1989): Blütengift zerpflückt, Natur - das
Umweltmagazin, Heft Nr.: 3/89, Ringier Verlag, München.
30 HANAK, Vladimír; GAISLER, Jirí; FIGALA, Jaroslav (1962): Re-
sults of bat-banding in Czechoslovakia 1948 - 1960, Acta Uni-
versitatis Carolinae - Biologica, Volume 1962, No. 1, Charles
University, Prague.
31 HEISE, Günter; SCHMIDT, Axel (1979): Wo überwintern im Norden
der DDR beheimatete Abendsegler (Nyctalus noctula)?, Nyctalus,
Mitteilungen aus dem Arbeitskreis für Fledermausschutz und
-forschung der DDR, Band 1, Heft 2, Berlin.
32 GEBHARD, Jürgen (1988): Die Forschungsstation "Hofmatt", Ein
künstliches Fledermausquartier mit zahmen, in Gefangenschaft
geborenen, freifliegenden und wilden, zugeflogenen Abendseg-
lern (Nyctalus noctula), Myotis, Mitteilungsblatt für Fleder-
mauskundler, Band 26, Bonn.
33 MERZ, Hubert (1988): Die Fledermäuse des Virngrundes, Ostalb
Einhorn, Vierteljahreshefte für Heimat und Kultur im Ostalb-
kreis, 15.Jahrgang, Heft 60, Aalen.
34 SCHÄFFLER, Manfred (1988): Die Fledermaus-Fauna des Kocher-
Brenz-Gebietes, Jahrbuch 87/88 des Heimat- und Altertumsver-
eins Heidenheim an der Brenz e.V., 2. Jahrgang, Heidenheim.
35 DIETERLEN, Fritz (1988): Persönliche Mitteilung vom 9.5.1988.
36 TOPAL, G. (1958): Morphological studies on the os penis of
bats in the Carpathian Basin, Ann. Hist. nat. Mus. nat. Hung.,
50, 331-342. Der Artikel wird zitiert von HACKETHAL, Hans
(1982): Zur Merkmalsvariabilität mitteleuropäischer Bartfle-
dermäuse unter besonderer Berücksichtigung der Verbreitung
und der ökologischen Ansprüche von Myotis brandti (Eversmann
1845), Nyctalus, Mitteilungen aus der Arbeitsgruppe für Fle-
dermausschutz und -forschung der DDR, Band 1, Heft 4/5, Ber-
lin.
37 HACKETHAL, Hans (1982): Zur Merkmalsvariabilität mitteleuro-
päischer Bartfledermäuse unter besonderer Berücksichtigung
der Verbreitung und der ökologischen Ansprüche von Myotis
brandti (Eversmann 1845), Nyctalus, Mitteilungen aus der Ar-
beitsgruppe für Fledermausschutz und -forschung der DDR,
Band 1, Heft 4/5, Berlin.
38 HARMS, K.H.; ANTESBEGER, C. (1986): Rote Listen der gefährde-
ten Tiere und Pflanzen in Baden-Württemberg, Arbeitsblätter
zum Naturschutz, Nr.: 5, 1-99, Herausgeber: Landesanstalt für
Umweltschutz, Baden-Württemberg, Karlsruhe.
39 WILHELM, Manfred (1978): Wochenstube von Myotis bechsteini
(Kuhl), Nyctalus, Mitteilungen aus dem Arbeitskreis für Fle-
dermausschutz und -forschung der DDR, Band 1, Heft 1, Berlin.
40 ISSEL,B.; ISSEL, W.; MASTALLER, M. (1977): Zur Verbreitung und
Lebensweise der Fledermäuse in Bayern, Myotis, 15: 19-97. Der
Artikel wird zitiert von : KULZER, E.; BASTIAN, H.V.; FIEDLER,
M. (1987): Fledermäuse in Baden-Württemberg, Beihefte zu den
Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in
Baden-Württemberg, Heft 50, Karlsruhe.
41 ISSEL, Willi (1984): Die Fledermäuse des unteren
Altmühltals,
Das Große Schulerloch - die Tropfsteinhöhle im Altmühltal, M.
Gstöttner - Verlag, Regensburg.
42 FRANK, H. (1986): Jahresbericht 1985 des Deutschen Bundes für
Vogelschutz, Ortsgruppe Wilhelmsdorf.
43 JÄGER-MISCHKE, Ismene (1989): Zur Problematik der Pyrethroide,
Unbekanntes Blatt, S. 337-339.
44STEBBINGS,R.E. (1986): Which bat is it? A guide to bat iden-
tification in Great Britain and Ireland, A joint publication
of The Mammal Society and The Vincent Wildlife Trust, Cambri-
an Printers Ltd., Dyfed.
45 YALDEN, D.W.; MORRIS, P.A. (1975): The lives of bats, Douglas
David & Charles Ltd., West Vancouver.
46 KREH, Wilhelm (1960): Die Tierwelt des Hessenlochs bei Königs-
bronn, Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, Heft 1, Stutt-
gart.
47 HARMATA, Wincenty (1987): Various types of movements and mi-
grations in Rhinolophus hipposideros (Bechst.), Fourth euro-
pean bat research symposium, Programme-Abstracts-List of Par-
ticipants, p.: 59, Prague.
48 SICKORA, Klaus-Dietmar (1988): Persönliche Mitteilung vom
31.1.1988.
49 KEPKA, O. (1960): Die Ergebnisse der Fledermausberingung in
der Steiermark vom Jahre 1949 bis 1960, Bonn. Zool. Beitr.
11, Sonderheft: 54-76. Der Artikel wird zitiert von: HANAK,
V.; GAISLER, J.; FIGALA, J. (1962): Results of bat-banding in
Czechoslovakia 1948 - 1960, Acta Universitatis Carolinae -
Biologica, Volumne 1962, No.: 1, Charles University, Prague.
50 STEUBING, Lore (1987): Tiere und Pflanzen signalisieren
Schwermetallbelastungen, Umwelt, Zeitschrift des Vereins
Deutscher Ingenieure für Immissionsschutz-Abfall-Gewässer-
schutz, VDI-Verlag, Heft 4.
51 KAUFMANN, J. (1986): Immer mehr Land wird zugebaut,
Schwäbische
Post, Sonntagsbeilage, 3.5.1986, Aalen.
52 SCHÄFFLER, Manfred (1986): Schwermetalle im Fledermauskot,
Speläo Südwest 1986, Materialhefte zur Karst- und Höhlenkun-
de (MKH 4/1986), Herausgeber: Höhlen-Interessengemeinschaft
Ostalb (InGO) e.V., Heidenheim.
53 PFÄNDER, Jörg (1988): Persönliche Mitteilung vom 6.10.1988.
54 HASCH (1986): Lindan- gefeiert und gefeuert, Natur - das Um-
weltmagazin, Heft 6, 1986, Ringier Verlag, München.
55 KULZER, Erwin (1985): Fledermäuse und Holzschutzmittel - ein
Konflikt?, Der Praktische Schädlingsbekämpfer, Organ des Deut-
schen Schädlingsbekämpfer-Verbandes und seiner Landesverbände,
37. Jahrgang, Heft 9.
56 DIS