Am 6.5.2000 verunglückte ein Taucher in der Wulfbachquellhöhle
tödlich.
Aus diesem Anlaß seien an dieser Stelle einige Sicherheitsempfehlungen
für die Befahrung der Höhle gegeben.
a) Abschnitt 1: Eingang bis Ammonitenhalle
Dieser Bereich inklusive des 15 m langen 1. Siphons ist relativ einfach
zu befahren. Trotzdem sollten die unter 1) genannten Sicherheitsregeln
auch bereits hier berücksichtigt werden.
b) Abschnitt 2: Ammonitenhalle bis 4. Siphon
Der enge Versturzdurchstieg von der Ammonitenhalle in den 40 m langen
2.
Siphon macht gewöhnlich wenig Probleme, trotzdem sollte berücksichtigt
werden, daß die Wände des Schachtes aus verkeiltem Blockwerk
bestehen und in der Vergangenheit bereits einige Versturzblöcke während
der Befahrung gelöst wurden. Aus diesem Grunde ist auch das Tragen
eines Helmes eine absolute Notwendigkeit.
Der Einstieg und Ausstieg des 130 m langen 3. Siphons sind relativ
eng und können deshalb mit großem Rückengerät Probleme
bereiten. Bei Niedrigwasserstand befindet sich ca. 40 m vom Ausstieg in
die Mühlheimer Halle entfernt eine größere Luftglocke,
die allerdings bei höherem Wasserstand nicht mehr vorhanden ist.
Der Einstieg in den 4. Siphon ist wieder relativ eng und sollte nur
mit kleineren Rückengeräten versucht werden. Der durchschnittlich
erfahrene Höhlentaucher sollte unterhalb der Ohropaxengstelle am Ende
des 4. Siphon wieder umkehren.
c) Abschnitt 3: Höhlenteile hinter dem 4. Siphon
Eine Tour über den 4. Siphon hinaus sollte nur von sehr erfahrenen
Höhlentauchern unternommen werden, die bereits einige Höhlentauchgänge
in der Wulfbachquellhöhle durchgeführt haben. Die Ohropaxengstellenkombination
(eine Engstelle unter und eine Engstelle über Wasser) ist ohne Frage
einer der anspruchsvollsten Höhlenteile und erfordert eine spezielle
Befahrungstechnik. Unverzichtbar für die sichere Befahrung ist eine
kleine seitlich montierte Flasche mit einem Volumen zwischen zwei und vier
Litern. Kleinere Volumina sind zu unsicher, eine Durchtauchung der Unterwasserengstelle
in Apnoe ist ein nicht kalkulierbares Risiko. Da die Engstelle so
eng ist, daß man sich im Regelfall beim Verhaken in der Leine nicht
ohne weiteres mit den Händen befreien kann, ist eine permanente Atemgasversorgung
lebenswichtig.-
Die 2. Stufe des Atemreglers der seitlich befestigen Flasche sollte
genauso wie das Schneidwerkzeug mit einer kleinen Aufhängung am Hals
befestigt sein (für den nicht unwahrscheinlichen Fall, daß sich
der Hüftgurt in der Engstelle löst). Zwei seitlich befestigte
Flaschen sind nicht zu empfehlen, da die gesteigerte Gefahr besteht, sich
in der engen Spalte zu verkeilen.
Das Rückengerät, das im Regelfall aus drei Vierliterflaschen
oder einem Doppelsiebengerät besteht, wird unterhalb der Engstelle
abgelegt und in das herabhängende Seil eingehängt. Nach Passieren
der Engstelle wird das Gerät in den kleinen Überwasserraum hochgezogen.
Beim Wiederablassen des Gerätes besteht an dieser Stelle die gesteigerte
Gefahr des Verhakens.
Deshalb muß das Gerät über den ausgestreckten Fuß
zur Mitte der Spalte hin umgelenkt werden. Das Wiederanlegen des Gerätes
auf dem Rückweg erfolgt in der Regel bei absoluter Nullsicht.
Da der 4. Siphon unterhalb der Engstelle sehr groß und verwinkelt
ist, ist es essentiell, bei Anlegen des Gerätes unter allen Umständen
einen Führungsleinenverlust zu verhindern. Dazu kann z.B. eine kurze
Verbindungsleine zwischen Taucher und Führungsleine (Einklinken
eines Karabiners) verwendet werden.
Für den Weitertransport der Geräte durch die Überwasserengstelle
mit dem installierten Seil sollten die Flaschenventile geschlossen werden,
damit es nicht zu unkontrolliertem Abströmen der Atemgasvorräte
kommt.
Im Fall eines Zwangsaufenthaltes im oberen Teil des Ohropax ist zu
berücksichtigen, daß es innerhalb weniger Stunden zu einem deutlichen
Anstieg des CO2-Anteils in der Luftglocke kommen kann. Dieser
ist umso ausgeprägter, je höher der Wasserstand in der Höhle
und je kleiner folglich der Luftraum in der Höhle ist. Erfahrungswerte
zeigen, daß der CO2-Anteils für zwei Personen bei
ruhiger Atmung und mittlerem Wasserstand im oberen Teil des Luftraums nach
ca. 8 - 12 h kritische
Werte erreichen kann. Typische Erstsymptome sind Beschleunigung von
Atmung und Puls, Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen. Da CO2
schwerer ist als Luft, hat es die Tendenz, einen CO2-"See" in
tiefergelegenen Bereichen zu bilden. Darum sollte man sich in einem solchen
Fall nur in den höhergelegenen Gangabschnitten aufhalten und bei notwendigem
Abstieg in tiefergelegene Bereiche immer aus dem Lungenautomaten atmen.
Der Aufenthalt in der Kolbinger Halle jenseits des 5. Siphons ist folglich
die wesentlich sicherere Alternative, da man sich hier mehrere Tage aufhalten
kann.
Der 5. Siphon ist ca. 230 m lang und verfügt bei höherem Wasserstand
über eine einzige Luftglocke bei 190 m. Der Boden der sich anschließenden
Kolbinger Halle ist mit massiven Schlammlagern bedeckt, so daß jede
Befahrung über den 5. Siphon hinaus unweigerlich zu einer starken
Eintrübung auf dem Rückweg führt.
Während der jeweils 30 m lange 6. und der 7. Siphon wenig Sediment
am
Grund aufweisen, finden sich zwischen Siphon 8 und der Pausenhalle
hinter dem 10. Siphon auf einer Gesamtlänge von 200 m durchgehend
mächtige Schlammlager.
Darum führt eine Befahrung bis zur Pausenhalle zu einer kontinuierlichen
Eintrübung der vorderen Bereiche über mehrere Stunden.
Eine Befahrung der trockenen Höhlenteile über die 1000 m -
Marke hinaus sollten nur besonders gut ausgerüstete und erfahrene
Höhlentaucher unternehmen.
Eine langsame Adaption an die Verhältnisse ist hier besonders
wichtig, da die Fortbewegung in den langen Überwasserstrecken u.U.
recht kräftezehrend ist und auf dem Rückweg im stark getrübten
Wasser des Bachbett ohne visuelle Trittkontrolle die gesteigerte Gefahr
einer Verletzung der unteren Extremitäten besteht. Man sollte sich
immer vor Augen halten, daß der Transport eines verletzten Höhlentauchers
aus den hinteren Bereichen der Höhle eine großangelegte mehrtägige
Rettungsaktion erfordern würde.
In einer Tagestour ist maximal eine Befahrung bis zum 3 km vom Eingang
entfernten Wubadrom möglich. Dafür ist durchschnittlich eine
Gesamtzeit von 12 Stunden inklusive Rückweg anzusetzen. Eine Befahrung
über das Wubadrom hinaus ist ohne Sicherheitsrisiko nur mit einer
Übernachtung möglich.
Das im Wubadrom befindliche Biwak der Höhlenforschungsgruppe Ostalb/Kirchheim
kann in einem Notfall genutzt werden um z.B. Verunfallte zu stabilisieren.
Es ist empfehlenswert, den von der Höhlenforschungsgruppe Ostalb/Kirchheim
publizierten Übersichtsplan der Höhle in eine wasserdichte Folie
eingeschweißt während der Befahrung mitzuführen.
Das Wasser der Wulfbachquellhöhle ist vor allem bei Niedrigwasserstand
stark mit Krankheitserregern (u.a. Salmonellen und Yersinien) belastet,
die in der Regel nach einigen Stunden oder auch erst nach Tagen zu Erbrechen,
Durchfall und Fieber führen können. Darum sollte unbehandeltes
Wasser während einer Befahrung nach Möglichkeit nicht getrunken
werden.
Es empfiehlt sich daher, Höhlenwasser mindestens eine Stunde lang
mit Wasserentkeimungstabletten vorzubehandeln oder kleine - möglichst
elektrolytreiche – Getränkevorräte mitzunehmen. Zudem sollten
auf längeren Touren hinter den 4. Siphon auch Nahrungsmittel, wie
z.B. Energieriegel, konsumiert werden, um Erschöpfungszuständen
aufgrund unzureichender Kohlenhydratversorgung vorzubeugen.
Generell ist für die Befahrung der Wulfbachquellhöhle körperliche
Fitness unabdingbar, eine Überschätzung der eigenen Kräfte
kann schnell zu kritischen Situationen führen. Der Rückweg ist
in der Wulfbachquellhöhle immer gefährlicher und anstrengender
als der Hinweg. Im Fall eines Zwangsaufenthaltes in der Höhle (z.B.
aufgrund Verletzung) kann die mitgeführte Rettungsdecke (Achtung goldbedampfte
Seite immer nach außen!) benutzt werden, um die Auskühlung des
Körpers zu verringern. Zusätzlich mitgeführte Kerzen erlauben
sogar eine aktive Heizung dieses Notwärmezeltes und sind daher zu
empfehlen, um die Zeit bis zum Eintreffen der Retter ohne ausgeprägte
Unterkühlung zu überstehen.
Weitere Informationen zum Höhlentauchen in Deutschland und zur
Befahrung der
Wulfbachquellhöhle sind im Internet unter http://www.karstforschung.de
zu erhalten.